Martina Voss-Tecklenburg hätte ihre Trainerkarriere auch im deutschen Männerfussball fortsetzen können. Ein ambitionierter Regionalligist fragte bei der früheren Bundestrainerin an. Stattdessen entschied sich die 58-Jährige trotz weiterer Angebote aus aller Welt bewusst für den FC Zürich, auch wegen ihrer privaten Situation.
Martina Voss-Tecklenburg ist zurück auf der Trainerbank. Seit dem 1. Oktober führt die frühere Schweizer und deutsche Nationaltrainerin die Frauen des FC Zürich. Dabei hätte ihre Rückkehr in den Fussball auch ganz anders aussehen können. Die 58-Jährige bestätigt, dass ihr unter anderem ein Angebot aus dem deutschen Männerfussball vorlag. Für Zürich entschied sie sich trotzdem ganz bewusst. Fast drei Jahre lang hatte Voss-Tecklenburg keinen Trainerposten mehr übernommen. Nach ihrem Aus beim DFB hörte sie sich zwar verschiedene Möglichkeiten an, wartete aber auf eine Aufgabe, die sportlich und privat wirklich passte.
An Möglichkeiten mangelte es offenbar nicht. Angebote habe es aus Mexiko, China und Afrika gegeben, zudem seien verschiedene Funktionen als Sportdirektorin oder in anderen Bereichen des Fussballs ein Thema gewesen. Kurz vor der Frauen-EM 2025 erhielt sie nach eigenen Angaben ausserdem eine interessante Anfrage als Nationaltrainerin aus dem europäischen Ausland.
Auch ein Klub aus dem deutschen Männerfussball klopfte bei der früheren Bundestrainerin an. Voss-Tecklenburg spricht von einem "ambitionierten Regionalligisten aus Deutschland". Als die Anfrage kam, hatte sie dem FC Zürich allerdings bereits zugesagt. Welcher Verein sie verpflichten wollte, verriet die 58-Jährige nicht.
Damit hätte Voss-Tecklenburg einen ungewöhnlichen Weg einschlagen können. Stattdessen kehrt sie dorthin zurück, wo sie bereits grosse Erfolge gefeiert hat, in die Schweiz. Zwischen 2012 und 2018 führte sie die Schweizer Nationalmannschaft erstmals an eine WM- und eine EM-Endrunde. Danach übernahm sie Deutschland und erreichte mit dem DFB-Team 2022 den EM-Final.
Für Zürich sprachen am Ende nicht nur sportliche Gründe. Voss-Tecklenburg lebt mit ihrer Familie in Düsseldorf und wollte bei ihrem nächsten Job nicht dauerhaft weit weg von zu Hause sein. "Es passt einfach am besten in meine Lebenssituation", erklärt sie. Gleichzeitig verbindet sie mit der Schweiz viel Persönliches.
Während ihrer sechs Jahre als Nationaltrainerin habe sie Freunde gefunden und das Land "für immer in meinem Herzen getragen". Auch die Aufgabe selbst reizt sie. Trotz Angeboten für Funktionärsposten sieht Voss-Tecklenburg ihre grösste Stärke weiterhin unmittelbar bei der Mannschaft. "Meine Kernkompetenz liegt noch immer auf dem Platz", sagt sie.
Bei den Zürcherinnen übernimmt Voss-Tecklenburg einen Klub mit hohen Ansprüchen. Der FCZ dominierte den Schweizer Frauenfussball über Jahre, zuletzt ist die Spitze der Women's Super League jedoch deutlich enger zusammengerückt. Die Deutsche will dabei nicht einfach fertige Spielerinnen verpflichten. Im Zentrum soll auch die Entwicklung der vorhandenen Talente stehen. Sie wolle Nationalspielerinnen ausbilden und junge Spielerinnen näher an die Nati heranführen.
Das Ziel formuliert sie dennoch ohne Umschweife: "Wir wollen natürlich um Titel spielen." Ihr Vertrag beim FC Zürich läuft bis Sommer 2028. Beim Zürcher Derby am Freitag sitzt Voss-Tecklenburg noch nicht auf der Bank. Nach der anschliessenden Nationalmannschaftspause beginnt ihre Arbeit an der Seitenlinie dann auch im Spielbetrieb.
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