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Die Thuner Transferstrategie ist für einen Meister ungewöhnlich

Zwischen Risiko und Vernunft

Nach dem überraschenden Meistertitel musste der FC Thun im Sommer einen grossen Umbruch bewältigen. Die ersten Pflichtspiele zeigen zwar, dass die Berner Oberländer konkurrenzfähig bleiben, dennoch dürfte Sportchef Dominik Albrecht auf dem Transfermarkt noch nicht fertig sein.

59 Scorerpunkte haben die Berner Oberländer im laufenden Transferfenster bislang verloren. Franz-Ethan Meichtry, Elmin Rastoder, Kastriot Imeri und Leonardo Bertone waren für einen erheblichen Teil der Tore in der Meistersaison verantwortlich. Mit Mauro Lustrinelli verliess zudem der Baumeister des Erfolgs die Thuner und schloss sich Union Berlin an.

Der Tenor vor dem Saisonstart war damit klar: Dem Sensationsmeister der vergangenen Spielzeit steht eine äusserst schwierige Saison bevor. Einige Medien prognostizierten den Berner Oberländern sogar bereits den Abstieg.

Thun widerlegt bislang die Kritiker

Die ersten beiden Pflichtspiele des FC Thun zeichneten jedoch ein anderes Bild. Im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation rang der Schweizer Meister Dinamo Zagreb ein 1:1 ab und war dabei über rund 60 Minuten die bessere Mannschaft. Auch zum Auftakt der neuen Super-League-Saison überzeugte das Team von Gian-Luca Privitelli erneut. Trotz acht Änderungen im Vergleich zum Zagreb-Spiel feierten die Berner Oberländer einen souveränen Auswärtssieg beim FC Luzern. Besonders bemerkenswert: In der Startelf standen fünf Sommerneuzugänge, die sich nahtlos in die Mannschaft einfügten.

Bürgy überzeugt auf Anhieb

Sportchef Dominik Albrecht verpflichtete bislang sechs Spieler. Zudem erhielten mit Simon Lengen und Leo Stucki zwei Nachwuchsspieler einen Vertrag für die erste Mannschaft. Von den Neuzugängen verfügt einzig Nicolas Bürgy über einen Leistungsnachweis in der Super League. Der ehemalige YB-Junior kehrte nach vier Spielzeiten in Dänemark in die Schweiz zurück.

Gegen den FC Luzern zeigte Bürgy, dass er die Qualitäten besitzt, sich einen Stammplatz in der Thuner Startformation zu erkämpfen. Der 30-Jährige präsentierte sich in der Defensive äusserst stilsicher und bewies in der Offensive mit einem Tor und einer Vorlage, welche Gefahr von ihm bei Standardsituationen ausgehen kann.

Mit Mats Seiler wurde zudem ein vielversprechendes Talent vom Kantonsrivalen verpflichtet. Der 20-Jährige dürfte in der Hierarchie der Thuner Innenverteidiger zunächst die vierte Position einnehmen. Aufgrund der Dreifachbelastung darf sich aber auch er berechtigte Hoffnungen auf Einsatzminuten machen. Die Kaderplanung in der Innenverteidigung dürfte damit vorerst abgeschlossen sein.

Heule als Schlüsselfigur

Auf den Aussenverteidigerpositionen gab es bislang keine Kadermutationen. Mit Michael Heule verfügt der amtierende Meister über einen der aufregendsten Aussenverteidiger der Super League. Der ehemalige St.Galler zählt zu den absoluten Leistungsträgern der Berner Oberländer und spielte in der vergangenen Saison eine Schlüsselrolle.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass Heule den Thunern erhalten bleibt. Angesichts des noch mehrere Wochen geöffneten Transferfensters ist ein Wechsel allerdings nicht ausgeschlossen. Ein Abgang des 23-Jährigen würde den FC Thun sportlich empfindlich treffen und wäre wohl nur schwer zu kompensieren. Aktuell sind die beiden Aussenverteidigerpositionen mit vier Spielern doppelt besetzt. Sollte sich der Schweizer Meister jedoch für eine europäische Gruppenphase qualifizieren, dürfte Sportchef Dominik Albrecht auf dieser Position nochmals personell nachlegen.

Umbruch im Mittelfeld

Im Gegensatz zur Verteidigung gab es im Mittelfeld bereits einige Veränderungen. Besonders schwer wiegt der Abgang von Leonardo Bertone. Der 32-Jährige war das Gesicht der Meistermannschaft und einer der wichtigsten Führungsspieler. Dass ausgerechnet er den Verein in Richtung des letztjährigen Tabellensiebten FC Luzern verliess, kam überraschend.

Die sportlich Verantwortlichen in Thun blieben ihrer Linie dennoch treu und gingen auf dem Transfermarkt bewusst keine finanziellen Risiken ein. Mit Nassim Zoukit, Dorian Derbaci, Nico Meier und Fabio Saiz verpflichteten die Berner Oberländer gleich vier Spieler, die zuletzt in der Challenge League aktiv waren. Eine mutige Strategie, die im Umfeld teilweise kritisch beurteilt wurde, nach den ersten beiden Pflichtspielen jedoch aufzugehen scheint.

Dennoch könnte eine zusätzliche Verstärkung im zentralen Mittelfeld sinnvoll sein. Vor allem ein erfahrener Sechser oder Achter würde dem Kader zusätzliche Stabilität und Tiefe verleihen.

Offensive bleibt grösste Baustelle

Die grösste Herausforderung wartet allerdings noch in der Offensive. Die Abgänge von Franz-Ethan Meichtry und Elmin Rastoder waren zwar absehbar, sind sportlich aber kaum zu kompensieren. Hinzu kommt, dass bei Kastriot Imeri die Kaufoption nicht gezogen wurde. Der Schweizer Meister wollte offenbar bewusst kein finanzielles Risiko eingehen und verzichtete deshalb auf eine feste Verpflichtung.

Entsprechend klafft in der Offensive eine grosse Lücke. Mit Nico Meier wurde bislang lediglich ein offensiver Spieler verpflichtet. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Thuner insbesondere auf der Zehnerposition noch nachlegen werden.

Auch im Sturmzentrum besteht noch Handlungsbedarf. Zwar stehen aktuell sechs Angreifer im Kader, doch weder Layton Stewart noch Marc Gutbub konnten bislang den Nachweis erbringen, auf Super-League-Niveau regelmässig Tore zu erzielen. Mindestens eine weitere Verstärkung für das Sturmzentrum erscheint deshalb durchaus realistisch.

Die Transferplanung der Berner Oberländer könnte bereits in der kommenden Woche deutlich einfacher werden. Mit einem Auswärtssieg gegen Dinamo Zagreb wäre dem FC Thun die Teilnahme an einer europäischen Gruppenphase sicher. Die damit verbundenen Einnahmen in Millionenhöhe würden dem Meister deutlich mehr Planungssicherheit verschaffen und den finanziellen Spielraum für weitere Transfers vergrössern.

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2026-07-26 22:31:24