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Die fünf Eckpfeiler des Thuner Meistertitels

Vom Aufsteiger zum Sensationsmeister

Die grösste Sensation des Schweizer Clubfussballs ist Tatsache. Der FC Thun sichert sich als Aufsteiger den ersten Meistertitel der Clubgeschichte. Wir nennen die Eckpfeiler der Mannschaft, welche dieses Berner Oberländer Erfolgsmärchen geschrieben haben.

Leonardo Bertone: Der überragende Mann

Lange wurde Leonardo Bertone etwas belächelt. Der 32-jährige Mittelfeldspieler, der zweifellos über ein gewisses fussballerisches Talent verfügt, spielte über drei Jahre mit dem FC Thun in der Challenge League - zu wenig für einen Spieler mit seinem Potenzial. Bertone glaubte jedoch an sich und die Mannschaft und führte die Berner Oberländer nach fünf Jahren zurück ins Oberhaus.

Dort angekommen, war Bertone von Beginn an der zentrale Spieler im System von Mauro Lustrinelli. Bereits im ersten Spiel der Saison führte der gebürtige Berner sein Team mit einem Doppelpack zum Auswärtssieg. Das entscheidende 2:1 erzielte er per direkt verwandeltem Freistoss aus rund 30 Metern - es sollte nicht sein letztes Traumtor bleiben.

Als Sechser überzeugt Bertone nicht nur mit der nötigen defensiven Härte, sondern auch als Spielmacher. Im vertikalen Spiel des Meisters nimmt der ehemalige U-21-Nationalspieler eine Schlüsselrolle ein, indem er die Stürmer immer wieder mit direkten Pässen in die Tiefe bedient.

Diese einfache, aber effektive Spielweise stellte viele Gegner in der Super League vor grosse Probleme. Luzern-Trainer Mario Frick erklärte nach einer Niederlage: "Es ist extrem schwierig zu verteidigen. Die Stürmer wissen genau, wohin der Ball kommt, und Bertone spielt ihn meist direkt weiter."

Die starken Leistungen wecken naturgemäss das Interesse anderer Vereine. Die Fans der Berner Oberländer können jedoch aufatmen: Bertone betonte kürzlich in einem Interview, dass er auch in der kommenden Saison in Thun bleiben möchte.

Ein Sinnbild des Thuner Wegs: Ethan Meichtry

Vor rund fünf Jahren gab die Klubführung des FC Thun um Präsident Andres Gerber und Sportchef Dominik Albrecht bekannt, künftig konsequent auf eigene Talente aus dem Nachwuchs setzen zu wollen. Da jedoch viele Klubs in der Schweiz eine ähnliche Strategie verfolgen und deren Umsetzung oft schwierig ist, hielten sich die Erwartungen im Umfeld zunächst in Grenzen.

Die Thuner Verantwortlichen blieben ihrem Weg aber treu - auch dank Trainer Mauro Lustrinelli. Seit mehreren Jahren integrieren die Berner Oberländer kontinuierlich junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft. Angesichts des vergleichsweise kleinen Einzugsgebiets ist diese Entwicklung besonders bemerkenswert.

In der aktuellen Saison zählen mit Lucien Dähler, Justin Roth, Valmir Matoshi und Ethan Meichtry gleich mehrere Eigengewächse zum erweiterten Kreis der Stammspieler. Besonders Meichtry konnte dabei auf sich aufmerksam machen: Der 20-jährige Offensivspieler überzeugt mit Spielwitz und starken Qualitäten im Eins-gegen-eins.

Mit acht Toren und drei Assists gehört er zu den prägenden Figuren der Saison. Ob Meichtry auch in der kommenden Spielzeit im Berner Oberland bleibt, ist allerdings offen - bereits im Winter wurden erste Interessenten aus der Serie A gehandelt.

Vom Zweifler zum Leistungsträger: Elmin Rastoder

In der Geschichte des Sensationsmeisters nimmt Elmin Rastoder die Rolle als treffsicherster Vollstrecker ein. Mit 13 Toren und sechs Assists gehört der nordmazedonische Nationalstürmer zu den prägenden Figuren der Saison und belegt aktuell Rang fünf der Scorerliste der Super League. Werte, die sich vor der Saison wohl nicht einmal Rastoder selbst zugetraut hätte.

In der vorherigen Spielzeit gelangen ihm in der Challenge League lediglich fünf Treffer, weshalb seine Tauglichkeit für die Super League im Vorfeld infrage gestellt wurde. Der 24-Jährige belehrte seine Kritiker jedoch schnell eines Besseren.

Im Zweimannsturm ist Rastoder für das Spielsystem des FC Thun kaum wegzudenken. Mit seiner Physis behauptet er viele Bälle und ermöglicht es seinen Mitspielern, nachzurücken. In der Rückrunde steigerte er zudem seine Effizienz vor dem Tor deutlich: Allein im Kalenderjahr 2026 kommt er auf 13 Torbeteiligungen.

Der ehemalige Junior vom Grasshopper Club Zürich hat sich damit in kurzer Zeit zu einem der gefragtesten Spieler der Liga entwickelt. Wie auch Franz-Ethan Meichtry dürfte er für die Thuner im Sommer nur schwer zu halten sein.

Der Rückhalt: Niklas Steffen

Vor rund einem Jahr machte Mauro Lustrinelli Niklas Steffen zur Nummer eins im Tor des FC Thun. Zuvor drohten die Berner Oberländer aufgrund einer Schwächephase den fest eingeplanten Aufstieg noch zu verspielen. Lustrinelli setzte daher ein Zeichen und stellte die bisherige Nummer eins, Nino Ziswiler, auf die Bank.

Steffen übernahm und brachte sofort Stabilität in die Defensive. In seinen ersten vier Spielen blieb er ohne Gegentor - ein entscheidender Faktor auf dem Weg zum letztlich souveränen Aufstieg.

Wie bei vielen seiner Teamkollegen wurde auch bei Steffen die Super-League-Tauglichkeit zunächst angezweifelt. Der ehemalige Junior des FC Basel überzeugte jedoch schnell und strahlt eine bemerkenswerte Ruhe aus - insbesondere für einen Torhüter ohne vorherige Erfahrung auf höchstem Niveau.

In der laufenden Saison stellt Thun eine der besten Defensiven der Liga. Steffen hat dabei grossen Anteil: Gemäss Fotmob hat er seinem Team bereits etwas mehr als zehn Gegentore erspart. Ligaweit ist das der beste Wert von allen Super-League-Goalies.

Der baldige Nati-Spieler?: Michael Heule

Auch der letzte Spieler in dieser Liste spielte in der vergangenen Saison noch in der Challenge League. Michael Heule stand zuvor beim diesjährigen Cupfinalisten Stade Lausanne-Ouchy unter Vertrag, ehe er im Sommer ins Berner Oberland zum FC Thun wechselte.

Der Aussenverteidiger machte von Beginn an positiv auf sich aufmerksam. Mit seinen unermüdlichen Läufen stellte er gegnerische Defensiven immer wieder vor Probleme. Zuletzt gegen den FC Basel gelang dem 24-Jährigen sein bisheriges Meisterstück: Neben seinem ersten Saisontor bereitete er nach einem Sprint über das halbe Feld auch noch das 3:1 vor. Er liess dabei Becir Omeragic im Laufduell mit Ball klar hinter sich.

Dank dieser starken Leistungen - und auch aufgrund der Verletzung von Miro Muheim - haben sich Heules Chancen auf ein Aufgebot für die Nationalmannschaft deutlich erhöht. Auf der linken Aussenverteidiger-Position verfügt die Schweiz nur über wenige Alternativen zu Ricardo Rodriguez.

Gerade gegen tiefstehende Gegner könnte Heule mit seiner Dynamik und Offensivkraft zu einer interessanten Option werden - auch wenn er bislang noch kein Aufgebot für die Nati erhalten hat.

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2026-05-03 17:30:23