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Der FC St.Gallen stösst an ein Limit, möchte aber in der Erfolgsspur bleiben

Hüppi und Stilz über die Situation des FCSG

Mit dem 2:1-Sieg gegen Benfica Lissabon hat der Schweizer Cupsieger ordentlich auf sich aufmerksam gemacht. Der FCSG startet mit breiter Brust und einem kaum veränderten Kader in die neue Saison. Bei der Zielsetzung hält sich Präsident Matthias Hüppi dennoch zurück.

Es ist ein ganz dickes Ausrufezeichen, welches der FC St.Gallen am Donnerstagabend im Heimspiel gegen Benfica Lissabon setzen konnte. Die Ostschweizer spielten im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League einen grossen Trumpf aus, mit dem sie am Wochenende auch in die neue Meisterschaftssaison starten: Der Cupsieger geht mit beinahe demselben Team in die Saison, das in der vergangenen Saison den zweiten Tabellenrang und vor allem den Cupsieg erringen konnte.

"Es ist mehr als eine solide Geschichte, was wir über den Frühling und den Frühsommer gemacht haben", bilanzierte Sportchef Roger Stilz am Mittwoch in einer Medienrunde. Tatsächlich hatte der Sportchef einen bislang eher ruhigen Sommer, auch weil er viel Vorarbeit im Frühjahr geleistet hat. Die Verträge mit Teamstützen wie Jozo Stanic, Carlo Boukhalfa oder Christian Witzig konnten langfristig verlängert werden.

Gerade die Entwicklung von Witzig hebt Stilz besonders heraus. Der erfolgreiche Saisonstart der Mannschaft im Vorjahr war für das Eigengewächs alles andere als einfach. Nach einer Schulterverletzung stiess Witzig erst spät zum Team und musste sich dann erst in einer neuen Rolle einfinden. Der 25-Jährige spielte sich auf der linken Schienenposition fest. In der Vorbereitung der neuen Saison präsentierte er sich allerdings auch als Option neben einem klassischen Mittelstürmer. Durch diese Polyvalenz und mit der Art und Weise, wie er diese Situation angehe, habe er einen enormen Sprung gemacht, meint der Sportchef.

Die Espen sind bereits jetzt mit der Kaderbreite zufrieden

Die Espen haben in diesem Sommer Aliou Balde, Torschütze des 1:0 gegen Benfica, per Kaufoption definitiv übernommen. Zudem wurde die Leihe von Colin Kleine-Bekel um ein Jahr verlängert. Wirkliche Neuzugänge sind Mittelfeldspieler Leon Frokaj und Andrin Hunziker. Letzter soll die Nachfolge von Alessandro Vogt antreten. Mit dem Wort Ersatz tut sich Stilz derweil schwer, weil es gewissermassen unmöglich ist, individuelle Spieler zu ersetzen.

Für den FCB-Zögling Hunziker hat der Kaderplaner gleichwohl viele positive Worte übrig. "Ein physischer Stürmer, ein dynamischer Spieler, der seine Qualitäten in der Box hat, ähnlich wie Alessandro Vogt", beschreibt Stilz den 23-Jährigen. Und weiter: "Es ist ein junger Spieler, der schon einiges erlebt hat. Ich finde auch positiv, wie er über diese Stationen spricht - er ist ein reflektierter Kerl. Ein Junge, der noch dazulernen möchte und den Hunger, den wir haben wollen, verkörpert und von dem wir sehr überzeugt sind, dass er in die Mannschaft passt und auch anschieben möchte. Er ist ein Typ, der Energie hereingeben möchte."

Mit der Kadergrösse zeigen sich die Espen zum Saisonstart zufrieden, auch mit Blick auf eine mögliche Mehrfachbelastung. Vereinspräsident Matthias Hüppi meint dazu: "Wir haben einen Kader, der nicht aufgebläht ist, aber dem Trainer auch die Möglichkeit gibt, auf der einen oder anderen Position Dinge anzupassen oder zu verändern, je nachdem, wie die Belastung dann ist."

Wie schon in der vergangenen Saison sollen auch die eigenen Nachwuchsspieler ihre Chancen erhalten. Ein passendes Beispiel ist der Sturm. Neben Andrin Hunziker, Aliou Baldé und Malamine Efekele, der sich nach einer Verletzung noch im Aufbau befindet, sollen Diego Besio und Nevio Scherrer für Tore sorgen.

"Auch die jüngeren Spieler, die bei uns den Schritt in die erste Mannschaft geschafft haben, sollen ja nicht einfach Sternschnuppen sein, die nach einer Saison wieder verglühen. Das soll nachhaltig werden. Wir hatten zusätzliche Junge dabei in der Vorbereitung, die sich von einer sehr guten Seite gezeigt haben. Darauf ist weiterhin ein strategischer Schwerpunkt, deshalb möblieren wir nicht alles zu", äussert sich Hüppi zu den Spielern aus dem Future Champs Ostschweiz.

"Bei uns ist die Konstante der Support des Publikums von so breiten Kreisen. Diesem müssen wir mit allen Mitteln Sorge tragen."

Matthias Hüppi, 22.07.2026

Dass im Falle eines Einzugs in eine internationale Ligaphase, auch mit Blick auf die dann vorliegende Verletzungssituation, noch Neuzugänge dazustossen könnten, schliesst man in St.Gallen nicht aus. Wie üblich möchten sich die Exponenten aber nicht zu Transfergerüchten wie dem Namen von Leonidas Stergiou äussern. Dass der Bundesliga-Legionär ein Thema sein könnte, ist angesichts der Verletztenliste in der Abwehr naheliegend. Mit Colin Kleine-Bekel, Cyrill May und Stephan Ambrosius fehlen zum Saisonstart gleich drei Innenverteidiger.

Auch Abgänge sind nicht ausgeschlossen, vor allem nicht, wenn sich die Spieler das internationale Schaufenster so nutzen wie am Donnerstag. Eine schwierige Situation ist es derweil für den ungarischen Linksaussen Kevin Csoboth. An der Pressekonferenz vor dem ersten Pflichtspiel äusserte sich Trainer Enrico Maassen zu seiner Personalie: "Kevin hat aktuell einen sehr schweren Stand. Er war vergangenes Jahr in die Türkei verliehen und ist wiedergekommen. Die Mannschaft hat ohne ihn sehr gut funktioniert. Wir haben also Spieler auf seiner Position, die ihm einfach den Rang abgelaufen haben. Zudem hatte er nun die eine oder andere Blessur und konnte nicht alles mitmachen in der Vorbereitung. Aber er ist ein Spieler unseres Kaders. Er muss sich wieder herankämpfen, um wieder eine Option zu sein."

Am Limit und dennoch wächst der Rückhalt immer weiter

Nicht nur sportlich befindet sich der FC St.Gallen mit dem Cupsieg im Mai auf einem Höhepunkt, auch wirtschaftlich stimmt die Entwicklung positiv. "Wir haben eine sehr gute Situation, auch in diesem Bereich. Eines darf man aber nicht vergessen: Wir sind überall an einem gewissen Limit", so der Vereinspräsident. Man habe ihnen nach dem Sieg im Finale aber nicht die Tür eingerannt, gleichwohl schätzt Hüppi die grosse Unterstützung: "Schön ist es, dass die allermeisten schon vor dem Cupsieg, aber auch jetzt, ihr Engagement verlängert haben, was in der heutigen Zeit mit Blick auf die Wirtschaft nicht selbstverständlich ist." Der Rückhalt bei den Zuschauern wächst derweil weiter, der FCSG befindet sich auf Rekordkurs, was den Absatz von Saisonkarten angeht.

Finanziell ist der Cupsieg, verglichen mit anderen Ländern, aber weit weniger lukrativ. Wobei es beim ersten Titelgewinn nach 26 Jahren aber eigentlich nicht gegangen sei. "Da geht es primär aber auch nicht um Franken und Rappen, sondern um den Titel, die Arbeit, die dahintersteckt, sowie die Sehnsucht und die Leidenschaft der Fans", so Hüppi. Auch bezüglich der aktuellen internationalen Anlässe müsse man bedenken, dass der Europacup erst ab der Ligaphase wirklich einschenkt. Ein ausverkauftes Stadion wie gegen Benfica habe aber natürlich gleichwohl seinen finanziellen Reiz. Für die erste Mannschaft steht damit ein Budget im Rahmen der Vorsaison zur Verfügung, das liege damit im Bereich von zwölf Millionen Schweizer Franken.

Die Unruhen um den Verwaltungsrat der Espen, die im Moment des Triumphs im Schweizer Cup an die Öffentlichkeit getragen wurden, gehören für Matthias Hüppi der Vergangenheit an. Er ist zufrieden mit der neuen Situation und möchte auch nichts von verlorenem Vertrauen wissen. Gleichwohl haben die Reaktionen auf diese Entwicklungen den Stellenwert, welcher sich die St.Galler weit über die Ostschweiz hinaus erarbeitet haben.

Auf die Frage, ob der FC St.Gallen mittlerweile ein Spitzenclub sei, entgegnet der Präsident: "Von der Ausstrahlung und der Bedeutung her, die der Club in der Region hat, aber auch darüber hinaus. Die Reaktionen rund um unseren Cupsieg und alles, was rundherum vorgefallen ist, haben Reaktionen ausgelöst, weit über die Regionalgrenze hinweg. Das zeigt, wie der Club wahrgenommen wird. Von dem her gesehen, hat er sicherlich zusammen mit anderen eine besondere Stellung in der Schweiz. Diese Entwicklung ist nicht von der Hand zu weisen."

Sportlich erwarten Hüppi und Stilz eine enge Meisterschaft, die aus neutraler Perspektive viele interessante Fragen mitbringe. Beispielsweise, wie die überraschend stark klassierten Teams der Vorsaison, zu denen auch der FCSG zu zählen ist, abschneiden oder eben die Teams, welche unerwartet die europäischen Plätze verpasst haben, neu abschneiden. Ziele gibt der FCSG keine heraus, auch wenn die St.Galler nach dem Titel ambitioniert bleiben möchte. Hüppi formuliert die Bestrebungen etwas anders: "Bei uns ist die Konstante der Support des Publikums von so breiten Kreisen. Diesem müssen wir mit allen Mitteln Sorge tragen. Dazu gehört, wie Enno es gesagt hat, ein Fussball, der die Leute packt. Das ist das Wichtigste von allem."

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2026-07-25 15:26:33