Am Donnerstagabend wartet eine gewaltige Prüfung auf den FC St.Gallen. Zum Start in die Europacup-Kampagne empfängt der Schweizer Cupsieger SL Benfica. Trainer Enrico Maassen und Captain Lukas Görtler blicken der Partie mit grosser Vorfreude entgegen.
Es ist keineswegs übertrieben, wenn Enrico Maassen von einer Champions-League-Mannschaft spricht, welche den Espen am Donnerstagabend gegenüberstehen wird. In den vergangenen fünf Spielzeiten lief der portugiesische Topclub immer in der Königsklasse auf, in vier der fünf Saisons erreichte Benfica auch die K.-o.-Runde. "Wir haben Lust darauf und wir freuen uns darauf. Es macht Spass, als ein Verein wie der FC St.Gallen solche Gegner hier zu begrüssen", meint Lukas Görtler zu der Partie. Der Deutsche schiebt gleich nach: "Eins ist auch klar: Wir haben ganz viel Respekt und Hochachtung vor Benfica, aber auch Lust, Benfica zu ärgern."
Trainer Maassen lässt sich vor dem Hinspiel in der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League nur bedingt in die Karten blicken. Die Espen hätten sich dieses Spiel mit dem Cupsieg aber erarbeitet. "Für mich ist es wichtig, dass wir unsere DNA auf den Platz bekommen und wir, trotz des Respekts, der zweifellos da ist, mutig sind. Wir wissen, dass wir der Underdog sind. Niemand wird erwarten, dass wir Benfica über zwei Spiele hinweg schlagen - das ist unsere Chance", blickt der Coach voraus.
Der Dritte der abgelaufenen Saison der Liga Portugal hat einen Trainerwechsel hinter sich. Marco Silva hat den zu Real Madrid abgewanderten José Mourinho beerbt. Das hat natürlich auch die Vorbereitung des FCSG-Trainers beeinflusst: "Ein neuer Trainer bedeutet auch immer neue Impulse. Wir haben uns die Testspiele angeschaut und einige Muster erkannt. Es gilt, die Muster des Gegners zu kontrollieren und darauf eine Antwort zu haben. Daneben ist die individuelle Qualität, die sie auf jeder Position mitbringen, eine grosse Challenge für uns."
"Das bleibt jedem St.Galler und jedem von uns, für immer."
Lukas Görtler, 22. Juli 2026
Die Bedeutung der Partie wird schon an der Medienkonferenz am Vortag klar. Der Medienraum im Berit Sitterstadion ist sehr gut besucht. Für die vielen portugiesischen Journalisten werden die Fragen und Antworten fortlaufend übersetzt. Auf eine portugiesische Frage, was sich Lukas Görtler für ein Resultat wünsche, wusste der Mittelfeldspieler, der vor seiner achten Saison mit dem FCSG steht, eine rasche Antwort. Die St.Galler möchten sich für das Rückspiel alles offenhalten.
Bis zu einem gewissen Grad, werden die Ostschweizer ihren Spielstil dem Gegner anpassen müssen. Maassen weist darauf hin, dass man im Pressing variieren müsse und nicht immer so hoch anlaufen könne, wie in der heimischen Meisterschaft. Er fordert ein hohes Konzentrationslevel, starke Energie und Mentalität von seiner Mannschaft. "Wir werden die Momente bekommen, davon bin ich überzeugt, aber wir müssen sie dann nutzen", meint der Trainer zu den eigenen Chancen.
Gewisse Einzelspieler möchte Görtler aus dem portugiesischen Kollektiv nicht herauspicken: "Ich gehe von einer Mannschaft aus, bei der elf Spieler eine Berechtigung haben, bei so einem Club wie Benfica zu spielen. Ich habe da grössten Respekt vor allen. Das war einmal mein Traum, bei einer solchen Mannschaft zu spielen - ich habe es leider nicht geschafft, deswegen werden die alle ihre Qualität haben." Er selbst möchte seinem direkten Gegenspieler die 90 Minuten möglichst schwer machen.
Bei den Espen fehlen zum Saisonstart gleich einige Spieler verletzt oder sie befinden sich erst noch im Aufbautraining. So stehen Colin Kleine-Bekel, Cyrill May, Stephan Ambrosius, Behar Neziri, Nino Weibel, Malamine Efekele und Nevio Scherrer auf der Absenzenliste. Nach seiner Reise mit Ghana zur Weltmeisterschaft ist Stammkeeper Lawrence Ati Zigi derweil nach St.Gallen zurückgekehrt. Oder um es in den prägnanten Worten seines Trainers zu formulieren: "Zigi ist erholt, fit und spielt."
Die Saison 2026/27 startet für den FCSG mit einem Höhepunkt, die vergangene Spielzeit hat derweil mit einem geendet. Die Espen krönten sich bekanntlich zum Cupsieger. Welche Auswirkung das auf die Vorbereitung hatte, fasst Görtler folgendermassen zusammen: "Es hat sich vor allem verändert, dass wir alle mit einem maximal guten Gefühl aus dem Urlaub gekommen sind. Wir haben uns noch in den Armen gelegen und haben uns gefreut, uns wiederzusehen. Das kann einen Push geben. Seit Enno hier ist mit seinem Trainerteam, haben wir ein paar Spiele mit Finalcharakter gewonnen. Jetzt haben wir auch einen Titel geholt. Das sollte uns, wenn es wieder zu so Spielen kommt - vielleicht schon nächste Woche Donnerstag – ein gutes Gefühl geben."
Nun blickt der Captain nach vorn, ab Donnerstag zählen wieder die Resultate auf dem Rasen. "Ich werde das für immer in Erinnerung behalten, das war ein ganz besonderer Tag in meinem Leben, der für immer bleiben wird", behält er den ersten Titelgewinn seit 26 Jahren für die Ostschweizer in Erinnerung. Und Görtler verstärkt seine Aussage nochmals: "Das bleibt jedem St.Galler und jedem von uns, für immer."
Auf die vielen euphorischen Grün-Weissen auf der Tribüne bauen die Espen auch gegen Benfica. Das Berit Sitterstadion wird ausverkauft sein und die Mannschaft ist hungrig, wie ihr Captain voraussagt: "Wir haben alle Bock auf das Spiel und werden alles reinhauen. Wir versuchen zu überraschen. Ich hoffe, uns gelingt das, ich glaube an uns. Ich gehe nicht ins Bett und denke, dass wir morgen Benfica weghauen. Aber ich glaube auch, dass wir nicht so schlecht sind, dass wir nun blind sind und gar nicht erst antreten müssen. Ich habe Bock und freue mich auf beide Spiele."
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