Im Rahmen der Pressekonferenz zum Saisonstart des FC St.Gallen hat Trainer Enrico Maassen zahlreiche Fragen beantwortet, im Anschluss stand er noch für einzelne Auskünfte bereit. Daraus sind folgende Zitate hervorgegangen.
"Enno" Maassen, du bist nun ein Jahr hier in St.Gallen, beziehungsweise der Ostschweiz. Was hat die Zeit mit dir gemacht?
"Ich fühle mich sehr wohl. Mittlerweile kennt man alles noch viel genauer. Ich lebe am See, jetzt waren wir in den Bergen, wir waren wandern. Man hat natürlich auch die Kultur des Clubs mehr und mehr in sich, das war letztes Jahr im Sommer schwer möglich, alles aufzusaugen, weil es direkt losging mit Europa. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein als Trainer."
"Mein Trainerteam ist ebenfalls sehr glücklich, hier zu sein. Wir freuen uns auf die neue Saison. Auch wenn wir wissen, dass es auch herausfordernd sein kann, gerade zu Beginn. Wir haben einige wichtige Spieler, die fehlen, und haben viele junge Spieler zu integrieren, das braucht Zeit. Wir haben in der Offensive einen fast kompletten Umbruch, Willem Geubbels ist noch da. Von daher haben wir genügend Arbeit, aber mit viel Fleiss und Vertrauen wird es in die richtige Richtung gehen."
Um gleich beim Thema Stürmer zu bleiben, betonte der Trainer, dass mit Willem Geubbels derzeit der beste Angreifer der letzten Saison weiterhin im Team sei. Er werde auch beim Saisonauftakt in der Startelf stehen. Ansonsten gab es auf dieser Position mit Chadrac Akolo, Felix Mambimbi, Moustapha Cissé und Jean-Pierre Nsame viele Abgänge. In der Saisonvorbereitung hat allerdings der 20-jährige Alessandro Vogt die Chance genutzt und sich aufgedrängt. Für ihn hatte der Trainer viel Lob übrig.
"Man muss immer vorsichtig sein bei jungen Spielern. Mal schauen, ob sie dieses Level halten können. Er hat gegen Kaiserslautern aus der 2. Bundesliga zwei Tore geschossen, er hat im ersten Testspiel zwei Tore gegen den SC Brühl und ein Tor gegen Darmstadt geschossen und er hat den Elfmeter gegen Villarreal herausgeholt. Was der Junge gerade macht, das wünscht man sich. Das passiert auch nur, wenn man vielleicht einmal ein solches Vakuum vorne hat und man dann die Jungen laufen lässt. Bisher präsentiert er sich gut, auch er wird gegen den FC Basel in der Startelf stehen, er hat es sich einfach verdient."
Nicht nur der Trainer, auch Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Roger Stilz haben im Rahmen der Pressekonferenz klargemacht, dass die Espen noch stärker auf den Nachwuchs setzen wollen. Das gilt beispielsweise auch für die beiden Positionen der Schienenspieler. Mit der Leihe von Konrad Faber nach Dresden und dem sich abzeichnenden Abgang von Noah Yannick fehlen auf den ersten Blick die Alternativen zu Hugo Vandermersch und Chima Okoroji. Maassen zählte da beispielsweise den 20-jährigen Neuzugang Enoch Owusu auf, der auf beiden Flügeln spielen könne oder Eigengewächs Tarik Seferovic, der im Testspiel gegen Villarreal als Torschütze herausstechen konnte.
"Wir haben uns zur Aufgabe gesetzt, dass wir den Kader nicht aufblähen. Wir sollen junge, hungrige Spieler hintendran haben, die dann auch Druck machen auf die Arrivierten. Wir haben interessante Spieler dort, die vielleicht noch nicht das Level haben, dass sie sofort Starter sind. Mut zur Lücke auf der einen oder anderen Position und auch Mut zur Entwicklung. Das ist auch ein Vertrauensbeweis für unsere jungen Spieler."
Auf den FC St.Gallen wartet ein happiges Programm zum Saisonstart. Am Samstag reist der Doublesieger aus Basel nach St.Gallen, eine Woche später gastieren die Ostschweizer beim Vizemeister in Genf. Die Testspiele gegen starke Gegner seinen ideal gewesen, um die Jungs maximal zu fordern und viele Erkenntnisse zu sammeln, erklärte der Trainer. Das 2:2 bei der Hauptprobe im kybunpark gegen Villarreal sei ein guter Testlauf gewesen. Gleichwohl weiss der 41-Jährige über die grosse Herausforderung im ersten Spiel.
"Wir freuen uns, wir sind heiss. Wir brauchen ein super Spiel, wir brauchen die Energie des Stadions und von allen Leuten, die da sind. Der Funke muss wie immer von uns kommen, mit unserer Energie und mit unserer Verbundenheit, die wir hoffentlich morgen zeigen. Wir werden Torchancen zulassen, vielleicht werden wir auch Tore schlucken, aber wir müssen mehr Tore schiessen. So wollen wir auftreten."
Nach der Analyse der letzten Saison soll nicht nur die Jugend vermehrt zum Einsatz kommen, auch taktisch haben die Espen in der Sommerpause an einigen Schrauben gedreht.
"Im Ballbesitz soll es ein Stück weit vertikaler werden. Wir wollen mehr Ballaktionen im Strafraum haben. Ja, dann geht auch einmal ein Ball direkt zum Gegner, aber wir waren meistens auch gut, wenn der Gegner den Ball hatte. Ein Stück weit mehr Pressing und Umschalten, dafür müssen wir bereit sein, wir brauchen eine sehr fitte Mannschaft, um über so viele Spieltage hinweg, einen so intensiven Fussball zu spielen."
Aufgrund der Mehrfachbelastung und wiederholten verletzungsbedingten Ausfällen musste in der vergangenen Saison viel rotiert werden. Diesbezüglich dürfte sich die Situation 2025/26 etwas verändern.
"Es ist immer gut, wenn man Kontinuität und feste Abläufe hat. Ich bin trotzdem kein Freund, nie etwas zu verändern. Trainingsleistungen und gute Spiele müssen belohnt werden. Es wird schon so sein, dass wir auf ein, zwei Positionen - vielleicht auch einmal drei - switchen werden. Aber es ist gut, einen konstanten Kern auf dem Platz zu haben."
Das in der Schlussphase der letzten Saison bereits eingeführte 3-4-2-1-System hat sich in der Vorbereitung bewährt. Auch was die Positionen der Spieler angeht, gab es unter Maassen mehrere Veränderungen. Lukas Görtler wurde zum Achter umfunktioniert. Kevin Csoboth fügte sich erst als Flügelspieler ins Team ein, lief zuletzt in einer zur Mitte orientierten Rolle auf. Wie fassen die Spieler solche Neupositionierung auf?
"Es passiert natürlich immer in Absprache mit den Jungs. Das Wichtigste für mich ist, dass ich sie nirgends hineinpressen muss, sie müssen sich wohl darin fühlen, was sie tun. Die Jungs haben darauf Lust. Lukas mit seiner Spielintelligenz und seiner Qualität, die Bälle hinter die letzte Linie und zwischen die Linien zu spielen, er wird nicht jünger, da kann er für uns einen guten Einfluss nehmen. Kevin kann sowohl auf dem Flügel spielen als auch auf der Halbposition oder ganz vorne drin."
An der Pressekonferenz wurde angekündigt, dass der Club im Herbst geplant hat, sich in der sportlichen Führung neu aufzustellen. Die jetzt auf der Sportchefposition vereinten Aufgaben sollen auf zwei Führungskräfte aufgeteilt werden. Trainer Enrino Maassen und seine Schützlinge erfüllten in der Vorsaison nur eines von drei Saisonzielen. Der Deutsche spürt aber keinen zusätzlichen Druck auf seiner Person lasten, auch hinsichtlich der geplanten sportlichen Umstrukturierung.
"Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich die nötige Leichtigkeit dafür mitbringe. Es ist Fussball, ich mache das aus voller Leidenschaft. Das ist mein Traumjob, den mache ich jeden Tag so gut, wie ich kann, mit meinem Trainerteam. Wir haben letztes Jahr eine tolle Reise durch Europa erlebt. Wir haben 53 Spiele am Ende gehabt, das zieht ein bisschen was in den anderen Wettbewerben mit sich. Bellinzona hätte nicht sein müssen. Aber wenn du dir das Cupfinale als Ziel setzt, ist die Chance, zu scheitern, relativ hoch. Wir sind in der Liga um fünf Tore nicht dabei gewesen trotz dieses grossen Programms. Da sind wir nicht stolz darauf. Wir haben genügend Spiele gehabt, in denen wir Punkte liegen gelassen haben.
Wir haben ganz tolle Spiele gezeigt, sowohl in der Liga als auch in der Conference League, wir haben aber auch Spiele gezeigt, die waren zum in die Tonne treten. Da haben wir jetzt angesetzt, bei den Jungs, die wir dazugeholt haben. Dass sie Bock aufs Team haben und sie, wenn es mal richtig schwierig wird, die Ellbogen ausfahren, das hat im letzten Jahr immer mal wieder gefehlt. Ich hoffe, dass wir uns in diese Richtung entwickeln und auch wenn es einmal bisschen wackelt, stabil bleiben."
Nach den angesprochenen tollen Spielen, also nach allen Siegen, habt ihr jeweils als ganze Mannschaft ein Bild vor der Fankurve gemacht. Du selbst warst nach deiner Einstellung noch vor dem ersten Spiel Gast im Fanlokal. Unabhängig des Spielausgangs beobachtest du mit deinem Trainerstaff aus der Distanz, wie die Fankurve die Spieler verabschiedet. Brauchst du diese Nähe zu den Fans auch, um dich selbst zu motivieren?
"Ich finde, das ist zum einen sehr respektvoll unseren Fans gegenüber, die egal wo das Spiel stattfindet, immer zahlreich vertreten sind. Zum anderen das Thema mit den Fotos vor der eigenen Fankurve: Es ist dann so, dass es sehr emotional ist, viele Spieler sind ausgebrannt nach so einem Spiel, wenn du das gewonnen hast und du hältst es fest. Wir haben ein Ritual, was wir mit diesem Foto machen. Es sind in der Regel zwei Spieler, die von der Mannschaft ausgewählt werden, die vermeintlich Schlüsselspieler in dieser Partie waren, die dieses Foto aufhängen dürfen. Wir haben eine Wand, an der die Bilder hängen. Das führen wir natürlich fort."
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