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Die Espen leiden unter einem spärlich bereicherten Markt

Das Sturm- und Kontingentproblem des FC St.Gallen

Als Überfall wurde der Transfer von Carlo Boukhalfa zum FC St.Gallen vermeldet. Bisher hat der FCSG sechs "neue" Spieler im Verein. Ein Überfall ist dies bisher noch nicht, gleicht aber bald einem Verbrechen.

Ein Innenverteidiger, einen Rechtsaussen und zwei Spieler fürs Mittelfeld. So ein bisschen überall konnte man bisher Spieler holen, die den Espen in der kommenden Saison in die Championship Round verhelfen sollen. Überall ausser im Sturm, in dem es eigentlich auch schon ohne den möglichen Abgang von Willem Geubbels am meisten Handlungsbedarf geben würde.

Aus der U21-Mannschaft stösst Behar Neziri fix zur ersten Mannschaft, er spielte zuletzt auf Leihbasis in Wil, ist allerdings auch ein Mann fürs Mittelfeld. Zahlreiche weitere Nachwuchsspieler erhalten derzeit in der Saisonvorbereitung die Chance, sich zu präsentieren. Im Sturm vermochte bislang vor allem der 20-jährige Alessandro Vogt zu punkten. Zudem ist per Ende Juni die Leihe von Nikolaj Möller zum Strømsgodset IF ausgelaufen. Ob er wieder in der Offensive eingeplant wird, ist derzeit unklar.

Das Problem im Sturm könnte gelöst werden

Somit gibt es bei den Ostschweizern derzeit maximal drei Kandidaten für die Position des Mittelstürmers im aktuellen Kader, aufgrund der scheinbar grossen Interessenten und Offerten für Geubbels, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Vogt und Möller alleine dasteht. Mit dem Nachwuchsspieler und dem jungen Schweden in eine Saison zu gehen, kann sich der FCSG jedoch nicht leisten.

Noch vor zwei Monaten war der Kader, den Enrico Maassen zur Verfügung hatte, mit deutlich mehr Stürmern ausgestattet. Moustapha Cissé kehrte allerdings nach einer Leihe nach Bergamo zurück, Jean-Pierre Nsames Leihe glich nach starkem Beginn einem Missverständnis, auch er musste St.Gallen den Rücken zuwenden. Zudem liefen die Verträge mit Chadrac Akolo und Felix Mambimbi aus. Mit beiden konnte man sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen, gerade mit Blick auf die Kontingentsliste wären sie als lokal ausgebildete Spieler doppelt wichtig gewesen - dazu gleich mehr.

Immer stärker zeichnet sich ab, dass Trainer Maassen mit einem 3-4-2-1 künftig auf eine Formation setzt, in der weniger Personal für die Position des Mittelstürmers gefragt ist. Ein Versprechen für viel Offensivdrang ist auch der 20-jährigen Enoch Owusu, der nach seiner Leihe nun fest von Inter Mailand übernommen wurde. Er kam in diesem Frühjahr allerdings in der U21 ausschliesslich über die Seiten, traf zwar dreimal, was aber zu wenig kaltschnäuzig, um als Mittelstürmer aufzutreten. Die Testspiele deuten klar darauf hin, dass der Youngster als Schienenspieler auf rechts auftreten wird. 

Bereits seit einer Weile wird über einen Transfer von Steffen Tigges spekuliert. Er würde das grosse Problem im Angriff lösen, wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit ein einigermassen adäquater Ersatz für Geubbels. Es gibt allerdings ein Problem, für das die St.Galler dringend eine Lösung suchen müssen.

Eine Hass-Parole wird zur traurigen Realität

Es gibt da nämlich diese Regel der SFL, die besagt, dass pro Verein maximal 17 nicht lokal ausgebildete Spieler gemeldet werden dürfen, sprich es gibt auf der 25 Mann grossen Kontingentsliste Platz für 17 Ausländer. Keinen Platz auf dieser Liste benötigen lokal ausgebildete U21-Spieler, welche natürlich gerne gesehen werden. Von diesen hat der FCSG in der letzten Saison deren neun aufgeboten, ohnehin besitzen die Espen auch noch ausreichend Platz für lokal ausgebildete Spieler, die nicht mehr zu den U21-Jahrgängen gehören.

Bei den ausländischen Spielern allerdings haben die Ostschweizer nach der Ankunft von Carlo Boukhalfa, Tom Gaal, Enoch Owusu und Behar Neziri die freigewordenen Plätze wieder besetzt. Schon für Leihrückkehrer Nikolaj Möller hätte es, Stand jetzt, auf der Kontingentliste keinen Platz. Heisst also leider und politisch komplett unkorrekt ausgedrückt: "Kein Platz für Ausländer".

Wie schafft man Platz?

Um Platz für einen möglichen Neuzugang wie Steffen Tigges zu schaffen, müssten also ein anderer Spieler aus dem aktuellen Kader Platz machen. Anbieten würde sich dabei jemand aus dem Zentrum, denn von solchen Spielern gibt es zurzeit gleich acht Spieler. Wen trifft es also? Lukas Daschner wurde erst kürzlich fest verpflichtet, ebenso Carlo Boukhalfa.

Da ein Abgang von Corsin Konietzke, Betim Fazliji, Mihailo Stevanovic und Bastien Toma das Kontingentproblem nicht lösen würde, gibt es eigentlich nur noch eine Lösung, die ebenso undenkbar wie skurril tönt. Um Platz zu schaffen, schaut es momentan danach aus, als würde sich der FCSG von Jordi Quintillà trennen müssen. Der Spanier fühlt sich aber wohl in der Ostschweiz, will wohl nicht einfach so weiterziehen. Ein anderer Kandidat könnte Abwehrspieler Noah Yannick sein, eine Leihe dürfte dem 21-jährigen Kameruner mehr Spielzeit ermöglichen.

Was tun die Espen?

Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe, vor der Roger Stilz zurzeit steht. Eigentlich kommt für die Lösung des Stürmerproblems nur eine Schweizer Lösung infrage, der Markt ist allerdings nicht gerade gut bestückt. Bei gewissen Optionen, wie Winsley Boteli oder Bradley Fink, ist es nicht gelungen, sie in die Ostschweiz zu lotsen. Die Gerüchte handeln sich demnach auch immer wieder um ausländische Stürmer, neben Tigges sind dies der Nigerianer Victory Beniangba und Usman Simbakoli aus der Zentralafrikanischen Republik.

Auf Instagram teilten die Espen zuletzt mehrere Videos, die eine Ankündigung anteasern. Am 18. Juli soll nämlich um neun Uhr etwas verkündet werden - es wird sich wohl um die Präsentation der neuen Trikots handeln. Die Uhrzeit (9 Uhr) liesse allerdings auf einen Stürmer hoffen, dass im Video auch der Kanton Thurgau Einzug hält, ein versteckter Hinweis auf eine Rückkehr von Julian von Moos? Die Realität werden allerdings Trikots statt eines Stürmers, die Anhänger der Espen müssen sich betreffend der Offensivposition weiter in Geduld üben. 

Man darf gespannt sein, was in den kommenden Wochen in der Ostschweiz noch passiert. Die Bilanz bisher ist einfach: zu viele ausländische Defensivspieler, ein Überangebot im Zentrum und zu wenig Stürmer. Sicher ist, dass es noch "die eine oder andere Veränderung" im Kader geben wird, wie der FCSG auf unsere Anfrage berichtete. Weitere Wasserstandsmeldungen wollen die Espen jedoch nicht machen.

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2025-07-12 12:00:53