Der FC Basel sorgte in diesen Tagen für mächtig Schlagzeilen. Stephan Lichtsteiner wurde entlassen, doch nun soll der Fokus nicht auf der Trainersuche liegen, sondern vielmehr soll der Kader nach dem Transferfenster analysiert werden.
Die Fluktuation im Basler Kader war in diesem Sommer sehr hoch. Nach der verkorksten letzten Saison war das aber auch der Plan der Vereinsführung. Es sollte mehr Resilienz in den Kader gebracht werden. Noch greifen nicht alle Rädchen ineinander und es ist wohl zu früh, um abschliessend zu beurteilen, ob das gelungen ist. Einige vielversprechende Neuzugänge hat man bereits bestaunen dürfen, dafür gibt es aber auch eineinhalb offene Baustellen.
Ein ganz grosser Wechsel fand auf den Flügelpositionen beim FC Basel statt. Marin Soticek, Benie Traoré und Ibrahim Salah haben den Verein verlassen. Dafür sind Asane Sow, Kazeem Olaigbe und Aaron Malouda zum Verein gestossen. Der erste Eindruck der neuen Flügelspieler ist ein vielversprechender. Vor allem Sow entpuppt sich als Schnäppchen. Nicht einmal eine Million Euro mussten die Bebbi für den Offensivspieler aus der Serie C ausgeben. Dafür haben die Basler einen Spektakelspieler erhalten. Sow ist schnell, trickreich und abschlussstark. Nach sieben Ligaspielen steht der Flügel bereits bei sieben Scorerpunkten. Auch Olaigbe hat sich auf dem anderen Flügel sofort gut eingefügt. Der Belgier steht bei zwei Ligatoren. Es würde nicht überraschen, wenn der FCB den Leihspieler am Ende der Saison definitiv übernähme.
Auch in der Innenverteidigung hat sich ein junger Neuzugang sofort festspielen können. An der Seite von Flavius Daniliuc spielt seit dem Saisonstart Akpe Victory. Der eine oder andere kleine Fehler ist dem Nigerianer zwar noch unterlaufen, trotzdem besticht er mit seiner Robustheit und einem guten Abwehrspiel. Für die grossen Schlagzeilen sorgte der 19-Jährige beim 3:3 im Wankdorf. Zunächst erzielte er mit einem Distanzschuss den Ausgleich und dann rettete der Verteidiger spektakulär auf der eigenen Torlinie. Dank solcher Leistungen hat er die Verantwortlichen und auch die Fans am Rheinknie schnell überzeugen können.
Philip Otele oder auch Metinho hätten bei einem passenden Angebot den FC Basel verlassen dürfen. Otele ist einer der Topverdiener im Kader des FCB, das hat David Degen schon mehrfach klargestellt. Im letzten Sommer war bereits der Plan, dass der Nigerianer verkauft werden sollte. Er blieb bis zum Winter und schloss sich dann dem Hamburger SV auf Leihbasis mit Kaufoption an. Diese Kaufoption liessen die Hanseaten verstreichen und so ist Otele wieder im Basler Kader. Olaigbe und Sow haben dem 27-Jährigen etwas den Rang abgelaufen. Ein Transfer hat sich bislang an den Ablöseforderungen des Vereins zerschlagen. So wird Philip Otele sich mit Leistungen für einen neuerlichen Abgang aufdrängen müssen. Für den neuen FCB-Trainer ist dies indes eine Luxussituation. Er wird auf drei absolute Top-Flügelspieler zählen können.
Auch Metinho gilt als ganz grosser Potenzialspieler im Kader des FC Basel. Unter Lichtsteiner war er in dieser Saison nicht dauernd gesetzt, dafür machte auch der schwedische Neuzugang Ludwig Malachowski einen zu stabilen Eindruck. Dazu muss auch Becir Omeragic im Mittelfeld hin und wieder eingesetzt werden, da in der Innenverteidigung die Plätze besetzt sind. Der Brasilianer wird von den Verantwortlichen aber hoch eingeschätzt und dürfte eines Tages eine stattliche Ablösesumme einbringen. Vorerst verschärft aber auch Metinho noch die Konkurrenzsituation in der Zentrale.
Trotzdem ist der Kader des FC Basel natürlich nicht perfekt. Eine Baustelle ist nach wie vor das Sturmzentrum. Bleiben alle Akteure verletzungsfrei, reicht die Dichte mit Zan Celar als Nummer eins und Giacomo Koloto als Nummer zwei aus. Sollte sich aber einer der beiden Angreifer verletzen, wird es eng im Sturmzentrum. Dann muss Rotblau auf jener Position improvisieren, die bereits im Vorjahr eine Baustelle war. Albian Ajeti und Moritz Broschinski, die im letzten Jahr zahlreiche Chancen ungenutzt verstreichen liessen, wurden mit einer Kaufoption ausgeliehen. Sowohl Ajetis Start in Lugano als auch Broschinskis Start in Karlsruhe waren vielversprechend. Womöglich sieht man die beiden Angreifer also nicht mehr am Rheinknie.
Die andere offene Baustelle ist die auf der Linksverteidigerposition. Dominik Schmid verliess den FC Basel in Richtung Salzburg. Mit Coleen Louis kam ein Perspektivspieler zum FCB, der umgehend verletzt ausgefallen ist. Daher bleibt noch Moussa Cissé als gelernter Linksverteidiger im Kader. Für die Ansprüche der Basler genügt der 23-Jährige aber kaum. Gegen YB verteidigte Cissé jüngst vogelwild und gegen Sion flog er mit einer Ampelkarte vom Platz. Es überrascht deshalb nicht, dass die Verantwortlichen mit einem Neuzugang reagierten. Clément Michelin wechselte am Deadline Day zum FCB. Das Problem ist aber: Er ist Rechtsverteidiger. Michelin soll beidseitig einsetzbar sein, hat aber bislang nur zwei Spiele in seiner Karriere als Linksverteidiger bestritten. Diese Baustelle wurde also eher behelfsmässig geschlossen.
Unglücklich läuft es auch auf der Torhüterposition. Jonas Omlin fällt aktuell bereits schon zum zweiten Mal verletzt aus. Die neue Nummer eins hat also ihre Verletzungsanfälligkeit auch zum FC Basel mitgebracht. Es ist zu hoffen, dass er nach der aktuellen Verletzung länger ohne Zwischenfall spielen kann. Dann wäre das Torhüterduo mit Omlin und Mirko Salvi nämlich gut besetzt.
Natürlich gibt es einige Makel im Kader des FC Basel. Trotzdem wird der neue Cheftrainer einen für Super-League-Verhältnisse starken Kader vorfinden. Vor allem birgt es auch viel Potenzial. Wenn der neue Übungsleiter es versteht, junge Spieler weiterzuentwickeln, kann der verkorkste Saisonstart wohl noch geradegebogen werden und zumindest wieder europäischer Fussball in der nächsten Saison im St. Jakob-Park gespielt werden.
Asane Sow Brack Super League Coleen Louis Dominik Schmid FC Basel 1893 Fussball Jonas Omlin Kazeem Olaigbe Michel Schuler Moussa Cissé Stephan Lichtsteiner