Nach 225 Tagen ist die Zeit von Stephan Lichtsteiner als Cheftrainer beim FC Basel wieder vorbei. Die Zusammenarbeit entpuppte sich als grosses Missverständnis und so ist das Langzeitprojekt nach rund sieben Monaten schon wieder vorbei.
Stephan Lichtsteiner wurde im Januar mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet. Der damalige Sportchef Daniel Stucki sprach von einem Projekt: "Wir wollen nachhaltig einen Trainer haben. Mit Lichtsteiner haben wir einen Trainer, den wir hier auch ausgebildet haben und der längerfristig das Potenzial hat, einst einen grösseren Verein als den FCB zu trainieren - auch wenn die aktuelle Situation eine Herausforderung ist." Dieses Projekt ist jetzt krachend gescheitert, das wirft ein schlechtes Licht auf die Vereinsführung.
Es kamen im Frühjahr Gerüchte auf, dass Stucki nicht restlos vom neuen Trainer überzeugt gewesen sei. Vor allem David Degen soll von Lichtsteiner begeistert gewesen sein. Auf alle Fälle hat die Vereinsführung mit der Wahl des neuen Coaches danebengegriffen. Zu keinem Zeitpunkt performte Rotblau so, wie man es sich gewünscht hätte.
Seit David Degen die Zügel beim FC Basel übernommen hat, ist nur ein Trainer länger als ein Jahr im Amt geblieben: Fabio Celestini. Einmal mehr genügt mit Lichtsteiner also ein Trainer den Ansprüchen des 21-fachen Schweizer Meisters nicht.
Als Stephan Lichtsteiner im Januar übernahm, hatte er in drei Wettbewerben drei Endspiele vor der Brust. Alle drei Partien gingen verloren. In der Folge konnte der Trainerneuling den FCB-Dampfer nicht mehr auf Kurs bringen. Von den letzten fünf Saisonpartien gingen deren vier verloren. Meist gewann der FC Basel nur Spiele gegen wesentlich schlechtere Gegner. Man hätte schon da die Reissleine ziehen können, doch David Degen sprach Lichtsteiner das Vertrauen aus - ein Fehler, wie man in der Nachbetrachtung sagen muss.
Mit wenig Kredit startete Lichtsteiner in die neue Saison. Obschon der FC Basel mit sechs Punkten in drei Partien ordentlich in die Spielzeit kam, gab es erste Gerüchte, dass der Cheftrainer schon bald entlassen werden könnte. Vier Ligaspiele später, die nur noch vier Punkte einbrachten, ist der Übungsleiter Geschichte. Der FC Basel hat es versäumt, einem neuen Trainer die Saisonvorbereitung zu überlassen. Ebenfalls ist der Kader nun zusammengestellt. Der neue Cheftrainer wird keine eigenen Wünsche anbringen können.
Da man aber Stephan Lichtsteiner die Chance geben wollte, sieht man sich jetzt mit der Tatsache konfrontiert, einen neuen Trainer zu suchen. Angesichts der nahenden Länderspielpause ist der Zeitpunkt nicht gänzlich schlecht. Erstmals wird in diesem Jahr die erste Länderspielpause der Saison gleich zweieinhalb Wochen andauern. Das ermöglicht dem neuen Übungsleiter, erste Automatismen mit der Mannschaft einzuüben. Dazu haben die Verantwortlichen innerhalb des Vereins nun noch eineinhalb Wochen Zeit, um einen geeigneten neuen Trainer für den Posten zu finden. Bis zur Länderspielpause spielt der FC Basel noch gegen den FC Luzern und den FC St.Gallen.
Selbst wenn man die ungenügenden sportlichen Leistungen des FC Basel ausser Acht lässt, bot Stephan Lichtsteiner viel Angriffsfläche. Vor allem mit seiner Kommunikation konnte der ehemalige Nati-Captain bei seiner ersten Station als Cheftrainer im Profibereich nicht glänzen. Bei einem Auswärtsspiel in St.Gallen monierte er einst bei Temperaturen unter 20 Grad die Hitze und sprach über lange Auswärtsreisen. Der FCB musste in Lausanne und in St.Gallen antreten. Die Argumente wirkten lächerlich, obwohl man ihm zumindest zugutehalten darf, dass er sich schützend vor die Mannschaft stellen wollte.
Auch das Ende seiner Zeit beim FC Basel soll Lichtsteiner selbst eingeläutet haben. Mit einem weiteren kommunikativen Desaster soll er seine Entlassung unumgänglich gemacht haben, wie der Blick berichtet. Gegenüber der Mannschaft soll der geschasste Trainer gesagt haben, dass er ohnehin nur noch bis zur Länderspielpause im Amt sein werde. Die Mannschaft soll irritiert gewesen sein und die Nachricht machte in der Folge offenbar innerhalb des Vereins schnell die Runde - mit der Entlassung als Konsequenz.

Problematisch schien auch das Verhältnis zwischen dem Trainer und seinem Superstar gewesen zu sein. Xherdan Shaqiri performte unter Fabio Celestini und Ludovic Magnin zuverlässig und war der beste Spieler der Liga. Unter Lichtsteiner funktionierte der Captain nicht mehr. Die Scoringausbeute brach ein und der mittlerweile entlassene Trainer wagte es auch mehrfach, Shaqiri auf die Bank zu setzen. In den letzten drei Partien unter Lichtsteiner war es dann sinnbildlich, wie der FC Basel mit dem zweifachen Champions-League-Sieger auf dem Rasen besser spielte. Trotzdem kam Xherdan Shaqiri zweimal nur von der Bank und wurde gegen Sion beim Stand von 1:0 ausgewechselt. Die Partie ging noch verloren.
Bis der FCB einen neuen Cheftrainer vorstellt, übernimmt Assistenztrainer Luigi Noccentini interimsmässig die Verantwortung für die erste Mannschaft. Es wird aber eine externe langfristige Lösung gesucht. Die Spur des neuen Trainers führt ins Ausland, wie der Blick berichtete. Mario Frick soll kein Thema am Rheinknie sein, was sich auch mit kicker-Informationen deckt.
Zuletzt gab es erste Gerüchte, dass Nenad Bjelica beim FC Basel auf der Liste als möglicher neuer Trainer stehen soll. Der Kroate ist aus Schweizer Sicht vor allem von seiner Zeit bei Union Berlin bekannt. Er übernahm ohne grossen Erfolg das Ruder nach Urs Fischer. Danach heuerte er erneut bei Dinamo Zagreb an, wo er mit einem schlechten Punkteschnitt ebenfalls entlassen wurde.
Die Verantwortlichen beim FC Basel möchten einen attraktiven Fussball am Rheinknie sehen. Es soll offensiv gespielt werden, denn David Degen ist bewusst, dass er mit Angsthasenfussball keine Fans in den St. Jakob-Park locken kann. Dazu dürfte nicht erneut ein unerfahrener Trainer zum FC Basel kommen. Die Zeit der Experimente ist wahrscheinlich vorbei. Denn eines ist klar: Es braucht Kontinuität. Diese Kontinuität hätte man schon gerne mit Stephan Lichtsteiner an der Seitenlinie gehabt, doch dieses Experiment ist krachend gescheitert.
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