Die Ära Tangnes ging zu Ende, nun beginnt eine neue Zeitrechnung in der Kolinstadt. Mit dem neuen Headcoach Michael Liniger, zahlreichen punktuellen Verstärkungen, sowie der Integration von Nachwuchsspielern, will der EVZ wieder zurück an die Spitze des Schweizer Eishockeys. Ob das umgebaute Team zumindest auf dem Papier bestehen kann, soll die Kaderanalyse zeigen.
Neuzugänge:
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Abgänge:
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Der EV Zug hat sich gegen einen Generationenwechsel und für den weiteren Verbleib von Leonardo Genoni ausgesprochen. Der 37-Jährige besitzt einen Vertrag bis 2027, wobei er selbst entscheiden wird, wann er seine glorreiche Karriere beenden möchte. Zu gerne würde er die Schlussphase seiner Laufbahn mit weiteren Meistertiteln krönen. Schon sieben Mal stand Genoni bei der stärksten Mannschaft der Schweiz im Tor und wenn man sich an ihm orientiert, dürfte Zug diese Position auch in der neuen Saison wieder einnehmen. In der letzten Spielzeit hielt er seine Fangquote konstant jenseits der 90-Prozent-Marke und hielt mit 91,9 Prozent gleich viele Schüsse wie in der Saison davor.
In der Post-Season sank jedoch seine Abwehrquote auf schwache 88,2 Prozent, Karrieretiefstwert, denn noch nie lag sein Wert in der entscheidenden Phase unter 90 Prozent. Dass der 37-Jährige dennoch der X-Faktor sein kann und normalerweise dann aufblüht, wenn man ihn am meisten braucht, bewies Genoni eindrücklich an der vergangenen Weltmeisterschaft im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft. Der Silberheld wurde gar zum WM-MVP gewählt.

Tim Wolf startete die vergangene Saison eigentlich in der neuen Rolle als Backup, doch eine Verletzung von Leonardo Genoni noch vor Saisonstart katapultierte den 33-Jährigen unerwartet ins Rampenlicht. Statt nur im Hintergrund zu agieren, wurde Wolf plötzlich zur tragenden Figur im Tor des EV Zug. Mit insgesamt 30 Einsätzen stand er am Ende gar häufiger zwischen den Pfosten als die etatmässige Nummer eins. Auch wenn die Rollenverteilung in dieser Saison wieder klar geregelt ist und Wolf wohl deutlich weniger Eiszeit erhalten wird, kennt er seine Position im Team ganz genau und füllt sie mit Professionalität und Ruhe aus. Wenn er gebraucht wird, liefert er verlässlich ab, solide, unaufgeregt und stets im Dienst der Mannschaft.
Fazit: 5.5/6 Punkte!
Das Torhüter-Duo des EV Zug gehört zur absoluten Spitze der National League. Leonardo Genoni bleibt trotz seines Alters ein Ausnahmekeeper und hat mit seiner MVP-Leistung an der WM eindrücklich bewiesen, dass er auf höchstem Niveau weiterhin der entscheidende Faktor sein kann. An seiner Seite steht mit Tim Wolf ein erfahrener und zuverlässiger Backup, der seine Qualitäten in der vergangenen Saison mehrfach unter Beweis gestellt hat. Mit dieser Kombination aus Klasse und Konstanz im Tor darf der EVZ den Anspruch auf den Meistertitel berechtigterweise erheben.
Neuzugänge:
🇨🇿 David Sklenička (1996) - Lausanne HC
🇨🇭🇪🇸 Raphael Díaz (1986) - HC Fribourg-Gottéron
🇨🇭 Nic Balestra (2005) - Eigener Nachwuchs
🇨🇭 Mischa Geisser (2006) - Eigener Nachwuchs
Abgänge:
🇸🇪 Gabriel Carlsson (1997) - Färjestad BK/SHL
🇸🇪 Niklas Hansson (1995) - Husqvarna Vätterstad 1971/SHL
🇨🇭🇸🇪 Ludvig Johnson (2006) - HC Fribourg-Gottéron
Die Verteidigung des EV Zug hat in diesem Sommer ein leichtes Facelifting erhalten, jedoch ohne einen radikalen Umbau. Mit der Rückkehr von Raphael Diaz holt sich der Klub nicht nur einen gestandenen Routinier ins Boot, sondern auch ein echtes Stück Vereinsgeschichte. Der 39-Jährige, Meistercaptain von 2021 und Publikumsliebling, bringt nicht nur Erfahrung, sondern auch Führungsqualität zurück in die Garderobe. Headcoach Michael Liniger schätzt Diaz als "verlängerten Arm" auf dem Eis, während dieser seinerseits das klare, sachliche Coaching des neuen Trainers lobt. Diaz bleibt sportlich relevant, aber vor allem als Mentor für den Nachwuchs nimmt er eine tragende Rolle ein, möglicherweise seine letzte, bevor sein Trikot realistischerweise unter das Hallendach wandern dürfte.
Eine weitere Schlüsselpersonalie ist David Sklenička. Der Tscheche, Vizemeister mit Lausanne, bringt als Zwei-Wege-Verteidiger genau jene Qualität mit, die im Zuger Spiel zuletzt phasenweise gefehlt hat: Verlässlichkeit in der eigenen Zone gepaart mit offensivem Output. Seine 33 Scorerpunkte in der letzten Saison sprechen eine klare Sprache und machen ihn zu einem der wichtigsten Neuzugänge in der Defensive.
Mit Nic Balestra und Mischa Geisser schaffen es zwei eigene Nachwuchstalente in den erweiterten Kader, Zeichen dafür, dass der EVZ seinen Ausbildungspfad weiterhin konsequent verfolgt. Doch nicht alle jungen Spieler bleiben dem Klub treu. Der Wechsel von Ludvig Johnson zu Fribourg schmerzt. Der talentierte Verteidiger, frisch gedraftet und mit viel Potenzial ausgestattet, hätte langfristig eine wichtige Rolle im Zuger System spielen können, doch sein nächster Karriereschritt folgt nun bei Fribourg-Gottéron.
Insgesamt trennten sich die Verantwortlichen von zwei schwedischen Import-Verteidiger, Gabriel Carlsson und Niklas Hansson, nachdem deren Leistungen in der Vorsaison nicht ganz den Erwartungen entsprochen hatten. Mit dem Wechsel des Fokus auf tschechische Verstärkung wurde eine klare Kurskorrektur vorgenommen, die das System stabilisieren soll. Die neue Marschroute sieht zudem nur den Einsatz von zwei statt wie letzte Saison drei Importspieler in der Abwehr vor.
Dennoch bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Der Zuger Defensivverbund wirkt stellenweise anfällig, vor allem, wenn kreative Impulse von Lukas Bengtsson fehlen, wie es in seiner verletzungsbedingten Abwesenheit zuletzt der Fall war. Auch die Situation rund um Leon Muggli ist offen. Sollte er den Sprung nach Nordamerika schaffen, geht ein weiterer dynamischer Verteidiger verloren. Mit Tobias Geisser, Dominik Schlumpf, Elia Riva und Livio Stadler hat man jedoch starke Schweizer Verteidiger in den Reihen und einen guten Mix zwischen defensiver Zweikampfstärke und offensiven Akzenten. Schlumpf, Stadler und Riva wollen zudem nach einer verletzungsgeplagten Saison wieder zu alter Stärke zurückfinden. Bleibt der EVZ von der Verletzungshexe dieses Mal weitgehendst verschont, so stellen sie eine grundsolide Abwehr.

Fazit: 5/6 Punkte!
Die Defensive des EV Zug wurde punktuell verstärkt und erfährt mit Diaz und Sklenička sowohl Routine als auch neue Qualität. Dennoch bleibt sie im Vergleich zu Torhüter- und Offensivabteilung das potenziell schwächste Glied im Zuger Meisterpuzzle. Der Verlust von jungen Talenten wie Johnson sowie die Unsicherheiten rund um Schlüsselspieler werfen Fragen auf, auch wenn das Gerüst mit zahlreichen erfahrenen Schweizer Spieler grundsätzlich stark ist. Mit fünf von sechs Punkten fällt die Bewertung solide aus, doch für den ganz grossen Wurf braucht es eine konstant stabile Leistung der Verteidigung über die gesamte Saison hinweg.
Neuzugänge:
🇨🇿 Dominik Kubalik (1995) - HC Ambri-Piotta
🇸🇰 Tomas Tatar (1990) - New Jersey Devils/NHL
🇨🇭 Robin Nico Antenen (2006) - Eigener Nachwuchs
🇨🇭 Loris Wey (2006) - Eigener Nachwuchs
Abgänge:
🇸🇪 Fredrik Olofsson (1996) - Rögle BK/SHL
🇨🇭 Dario Simion (1994) - HC Lugano
🇨🇭 Attilio Biasca (2001) - HC Fribourg-Gottéron
Die Zuger Offensive ist das Prunkstück des Teams, daran hat sich auch in diesem Sommer nichts geändert. Bereits in der vergangenen Regular Season stellte der EVZ die gefährlichste Angriffsreihe der Liga und erzielte ligaweit die meisten Tore. Trotz dieser beeindruckenden Bilanz hat sich der Klub nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern gerade auch aufgrund des Viertelfinal-Outs gezielt aufgerüstet. Vor allem zwei Namen lassen die Fans aufhorchen. Dominik Kubalik und Tomas Tatar. Während der Tscheche Kubalik die National League bereits aus seiner Zeit beim HC Ambri-Potta bestens kennt, einst sogar als Topscorer der Liga, bringt der Slowake Tatar einen ganz anderen Erfahrungsschatz mit. Über 900 NHL-Spiele, zahlreiche WM- und Olympiaeinsätze und ein Spielverständnis, das sich kaum lehren lässt.
Die beiden Transfers bedeuten auch: Der EVZ will mehr als "nur" ein Playoff-Teilnehmer sein, man strebt nach dem Titel. Kubalik war vergangene Saison bester Torschütze der Liga und gilt als eiskalter Vollstrecker mit hervorragendem Schuss und viel Übersicht, während Tatar als intelligenter Spielmacher und Leaderfigur eine tragende Rolle einnehmen soll. Natürlich ist mit solchen Namen auch der Erwartungsdruck gewachsen, doch in Zug ist man sich dieser Herausforderung bewusst und bereit dafür.
Neben den prominenten Verstärkungen ist es vor allem die bestehende Achse aus bewährten Schweizer Kräften, die das Zuger Spiel so gefährlich macht. Mit Spielern wie Lino Martschini, Grégory Hofmann, Fabrice Herzog, Sven Senteler oder Mike Künzle steht eine vielseitige Mischung aus Kreativität, Wucht und Spielintelligenz zur Verfügung. Diese Offensive bringt Tempo, Spielwitz, Härte und jede Menge Erfahrung auf die Eisfläche. Dazu stossen mit Robin Antenen und Loris Wey zwei weitere arrivierte Eigengewächse zum Profikader, was die tiefe Durchlässigkeit im Verein unterstreicht.
Wermutstropfen gibt es dennoch: Captain Jan Kovar verpasste die ersten Trainings verletzungsbedingt, sein Fehlen würde zu Saisonbeginn eine grosse Lücke reissen, insbesondere was die Struktur des Spiels betrifft. Auch Andreas Wingerli besitzt zwar Qualitäten, verschwindet aber in gewissen Partien noch zu häufig aus dem Spielgeschehen. Dennoch: Die Offensive bleibt das Zugpferd dieser Mannschaft, nicht zuletzt auch wegen der kongenialen Chemie, die zwischen Kovar und seinem Landsmann Daniel Vozenilek herrscht.
Was die Abgänge betrifft, so mussten mit Dario Simion und Attilio Biasca zwei Schweizer Spieler verabschiedet werden, die sich mit Herzblut für den Verein einsetzten. Besonders Simion hinterlässt eine sportliche und emotionale Lücke, doch angesichts der Qualität der Neuzugänge ist die sportliche Kompensation ohne Zweifel gegeben.
Fazit: 6/6 Punkte!
Die Offensive des EVZ ist gespickt mit Hochkarätern und zählt ohne Zweifel zu den besten der Liga. Mit den spektakulären Neuverpflichtungen von Kubalik und Tatar hat Sportchef Reto Kläy ein Ausrufezeichen gesetzt und klargemacht, dass Zug den Meistertitel wieder ins Visier nimmt. Der Kern der Mannschaft bleibt erhalten, die Breite wurde verstärkt und die Mischung aus Talent, Erfahrung und Tempo sucht ligaweit ihresgleichen. Das Herzstück der Kolinstädter ist in Bestbesetzung, sechs von sechs Punkten sind hochverdient, aber bringen auch grosse Erwartungen mit sich.

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