Trotz des Abschneidens auf Platz vier in der Regular Season schaffte der EV Zug nicht den Sprung unter die besten vier Teams in den Playoffs. An Davos scheiterte man im Viertelfinal kläglich. Wir lassen die Saison nochmals Revue passieren und werfen einen Blick in die Zukunft der Zuger.
Der EV Zug wurde bereits vor dem eigentlichen Saisonstart von der Verletzungshexe heimgesucht. Der siebenfache Meistergoalie Leonardo Genoni verpasste mehr als die Hälfte der Saison und stand am Ende gerade mal in 22 Partien auf dem Eis. Somit wurde Tim Wolf bereits zu Beginn der Saison ins kalte Wasser geworfen, rechnete doch niemand in der Zentralschweiz damit, dass der Neuzugang von Ajoie direkt im Rampenlicht stehen wird. Der 33-Jährige erledigte seinen Job ganz ordentlich, avancierte jedoch nur selten zum Matchwinner für die Zuger.
Der EVZ startete gut in die Saison, gewann drei von vier Spielen, ehe man schon früh einen Einbruch erdulden musste und die Zuger zwischenzeitlich nach dem Saisonstart in der unteren Tabellenhälfte vorzufinden waren. Teils haarsträubende Niederlagen gegen Teams, die auf dem Papier als deutlich schwächer einzustufen waren, sorgten schon während der Saison für kritische Stimmen. Doch der EVZ fing sich, angeführt von Captain Jan Kovar, der zwischenzeitlich mit Landsmann Daniel Vozenilek ein kongeniales Duo bildete. Vozenilek konnte während Zugs Lauf im Oktober gleich elf Spiele hintereinander ein Tor erzielen und knackte damit den Klubrekord der längsten Tor-Serie. Doch das wars dann etwa mit den Höhenpunkten in Zug.
Nach der ersten Nati-Pause gab es immer wieder Höhen und Tiefen, doch so restlos wusste das Team von Dan Tangnes nicht zu überzeugen. Nachdem die Zuger in der Tabelle hochkletterten und zwischenzeitlich sogar Druck auf die souveränen ZSC Lions und Lausanne HC ausüben konnte, folgte der erneute Einbruch. Am Ende reichte es für den EVZ knapp für Tabellenplatz vier in der Regular Season.
Die Saison 2024/25 stand für die Zentralschweizer ganz im Zeichen der mangelnden Konstanz. Funktionierte das Pressing und spielten sie mit breiter Brust ein aggressives, offensives Powerhockey, so fegten sie jedes Team vom Platz. Liess man aber den negativen Emotionen freien Lauf, spielte man lustlos und ohne Selbstvertrauen, handelten sie sich zu viele Strafen ein und agierten in der Defensive zu passiv, so wurden die Zuger auch des Öfteren abgestraft.
Nichtsdestotrotz konnten die Kolinstädter am Ende der Regular Season die beste Offensive der Liga stellen. Vor allem Lino Martschini war der Leitwolf im Angriff. Der kleine, aber wirblige Stürmer glänzte als Topscorer mit 18 Toren und 26 Assists aus 47 Einsätzen. Martschini war das Fundament dieser Mannschaft.

Doch in den Playoff-Viertelfinals gegen den HC Davos bröckelte das gesamte Gebilde. Lino Martschini blieb blass, konnte sich keinen einzigen Scorerpunkt gutschreiben lassen. Die Import-Spieler versanken in der Bedeutungslosigkeit, vom tschechischen Duo Kovar/Vozenilek kam ausser der aggressiven Spielweise nicht mehr viel. Aber allen voran die Verteidiger Gabriel Carlsson und Niklas Hansson enttäuschten auf ganzer Linie. Dazu kamen auch die Schweizer Nationalspieler rund um Dario Simion, Sven Senteler und Grégory Hofmann einfach nicht auf Touren.
Das Fazit zur Saison von Daniel Vozenilek könnte man nicht treffender formulieren, als es Philipp Zurfluh bei seiner Bewertung der Spieler in der Zuger Zeitung getan hat:
"Von unterirdisch bis brillant. Bei keinem anderen Spieler lagen Genie und Wahnsinn so nah beisammen. Schaffte es als Chef-Provokateur und Torgarant anfänglich zum Publikumsliebling. Mit Fortdauer der Saison fiel er oft negativ auf, konnte sein Temperament nicht mehr zügeln und untergrub mit seinem Benehmen auch die Autorität des Trainers"
Philipp Zurfluh, Zuger Zeitung, 27.03.25
Wie schon in der regulären Spielzeit kämpften die Zuger immer wieder mit zahlreichen Verletzungen. In den Playoffs fehlten unter anderem teilweise oder ganz, Fabrice Herzog, Dominik Schlumpf, Tobias Geisser, Jan Kovar, Lukas Bengtsson, Niklas Hansson oder Mike Künzle. Es soll keine Ausrede sein, aber war mitunter ein Grund für die schwachen Leistungen in der entscheidenden Phase. Dies erwies sich jedoch auch als Chance für die jungen Nachwuchsspieler des EVZ, denn die Zuger setzten in der Liga mit Abstand am meisten U20-Spieler ein.
Am Ende wurden die Zuger gleich mit einem "Sweep", also einer 0:4-Klatsche durch den HCD in die Ferien verabschiedet. Ein bitteres Ende in den Viertelfinals, allen voran für Trainer Dan Tangnes, den es nun zum Rögle BK nach Schweden weiterzieht. Eine erfolgreiche Ära ging somit in Zug zu Ende, standen die Zuger doch mit Tangnes an der Bande seit der Saison 2018/19 immer mindestens im Halbfinale und konnten zweimal den Schweizermeistertitel feiern.
Nach dem kläglichen Scheitern im Viertelfinal vermehrten sich die Stimmen nach einem Umdenken und einem Neufang in Zug. Doch dieser wird grösstenteils neben statt auf dem Eis eingeleitet. Mit dem Abgang von Dan Tangnes wurde nun Assistenztrainer Michael Liniger zum neuen Cheftrainer befördert. Ein aufstrebender Trainer, der nun in Zug die Chance erhalten wird, das Team wieder auf die richtige Spur zu bringen. Derweilen bezweifeln Viele in Zug, dass sich gross etwas ändern wird, war Liniger doch der Zauberlehrling von Tangnes und würde in etwa die gleiche Philosophie teilen.
Auf der einen Seite werden die Zuger an ihrem Kurs auch festhalten, allen voran, da man auch ein "ambitionierter Ausbildungsclub" sei. Dies bewiesen die Zuger eindrücklich durch die zahlreichen Einsätze und die hoch spannenden Entwicklungen zahlreicher Talente. Doch was nützen die jungen Talente, wenn sie nach der Ausbildung das Boot verlassen? So etwa im Fall von Ludvig Johnson. Den vielversprechenden jungen Verteidiger zieht es weiter zum HC Fribourg-Gottéron. Immerhin stattete man aus dem eigenen Nachwuchs gleich vier interessante Spieler mit einem Profivertrag aus: Robin Antenen, Loris Wey, Nic Balestra und Mischa Geisser.
Auf der anderen Seite würde ein Umbruch dem Verein guttun, zeigte der EVZ doch in den Playoffs ein erschreckendes Gesicht, dass man mit dem aktuellen Kader und vor allem den derzeitigen Ausländern so gut wie nicht um den Meistertitel mitreden kann. Und schliesslich sind die Ambitionen und die Erwartungen nach den zwei erfolgreichen Saisons 2020/21 und 2021/22 gestiegen.
Torhüter
Verteidiger
Stürmer
Die grösste Änderung im Kader vollziehen die Zuger also an der Seitenlinie durch den Wechsel des Trainers. Im Team selbst geht der EVZ stand jetzt, mit praktisch der gleichen Equipe in die neue Saison, besitzen doch so gut wie alle Spieler einen Vertrag über die aktuelle Saison hinaus. Die Kolinstädter begeben sich also in einen "Rebuild" der keiner ist, sollten sie nicht in den nächsten Wochen noch drastische Änderungen vornehmen nach dem blamablen Viertelfinale.
Abgänge
Spieler ohne Vertrag
Dies ist eine seltene Konstellation in der National League, verfügen die Zuger doch über keinen einzigen Spieler, dessen Arbeitspapier Ende der laufenden Spielzeit ausläuft.Schon während der laufenden Saison wurden zahlreiche auslaufende Verträge unter Dach und Fach gebracht. So wurden unter anderem die Verträge von Jan Kovar, Tobias Geisser, Andreas Wingerli, Livio Stadler, Elia Riva und Nando Eggenberger bereits frühzeitig verlängert. Alle Spieler, welche nicht zu einem anderen Verein wechseln, werden auch nächste Saison für den EV Zug auflaufen (mit Ausnahme von Leon Muggli, der von den Washington Capitals einberufen werden könnte). Doch dies ist mit Vorsicht zu geniessen, kündete doch EVZ-CEO Patrick Lengwiler jüngst nach dem Ausscheiden eine interne Analyse an.
"Auch wenn man im Frust und in der Enttäuschung gerne mal alle und alles durch den Fleischwolf ziehen möchte, so gilt es, die richtigen und nicht die populären Entscheidungen zu treffen. Wir werden das Geschehene analysieren, die Lehren daraus ziehen und die machbaren Konsequenzen umsetzen."
Patrick Lengwiler, CEO EVZ, Instagram EVZ, 25.03.25
Die Frage, die sich nun stellt: Welches sind denn die "richtigen Entscheidungen" und welche "machbaren Konsequenzen" lassen sich umsetzen? Vor einem Jahr, nach der 0:4-Klatsche im Halbfinal gegen den späteren Meister aus Zürich, versicherten die Sportverantwortlichen, dass man nicht im Mittelmass versenken, sondern zurück in die Erfolgsspur wolle. Dazu sei auch eine Budgeterhöhung notwendig.
Doch das Vorhaben scheiterte, wie es die Zuger eindrücklich unter Beweis stellten. Dabei stellt sich eine weitere Frage: "Wo genau ging das erhöhte Budget denn flöten?" Die Antwort lässt sich wohl bei den Sommer-Neuzugängen Fredrik Olofsson, Gabriel Carlsson und Daniel Vozenilek finden, wobei wir uns hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Wir lassen jedoch ein Zitat von Reto Steinmann in seiner Kolumne bei der Zuger Zeitung im Raum stehen: "Die beiden Schweden sind wohl die grössten Transferflops der letzten Jahre." Es gilt anzumerken, dass etwa Stürmer Frederik Olofsson auf ein Tor weniger gekommen ist aus 51 Spielen (7 Tore), wie Verteidiger Elia Riva aus 29 Einsätzen (8 Tore). Von dem Schweden hatte man sich definitiv mehr erhofft.
Die Frage ist durchaus berechtigt, denn einerseits wird der EV Zug Stand jetzt in etwa mit dem gleichen Kader in die neue Saison gehen. Raphael Diaz kehrt zwar zu seiner alten Liebe zurück, doch der Heilsbringer dürfte der Verteidiger im Alter von 39 Jahren nicht mehr werden. Auf der anderen Seite muss der EVZ wegen des Stadionausbaus auf seine Bilanz achten, weswegen wohl Geld auf der Strecke bleibt für namhafte Neuzugänge. Für das kürzlich bewilligte Darlehen seitens des Kantons von 35 Millionen Franken, werden hohe Auflagen vorausgesetzt.
Derweilen kursieren durchaus interessante Spieler auf dem offenen Markt, bspw. Dominik Kubalik, Mark Arcobello, Daniel Carr oder die kürzlich entlassenen Kloten-Leistungsträger Niko Ojamäki, Thomas Grégoire, Daniel Audette oder Pontus Aberg. Das Problem bei der Sache ist hingegen, dass man nicht einfach inflationär mit den Imports umgehen kann. Um einen spannenden Neuzugang zu verpflichten bedarf es wohl einer jener "populären Entscheidungen" durch eine Entlassung von Spieler, die nicht auf ihr Leistungsniveau herangekommen sind. Die Zuger Zeitung schreibt, dass der EV Zug einen Abnehmer suche für Verteidiger Niklas Hansson. Es wäre ein erster Dominostein von vielen die noch fallen könnten.

Zum Abschluss gilt es somit zu sagen, dass die Sportveranwortlichen in einer äusserst schwierigen und heiklen Situation stecken. Verfügt man doch über einen Kader, der mehrheitlich schon den Schweizermeistertitel ergattern konnte, aber in dieser Saison, vor allem in den Playoffs nicht den Hauch einer Chance vorzuweisen hatte. Dass die Zuger also das Zeug dazu haben, bewiesen sie in der Vergangenheit. Dennoch könnte sich auch das Gegenteil bewahrheiten und der EVZ wird erneut zum "Mittelmass". Wir sind geneigt zu sagen, dass eine Besserung wohl erst in Sicht ist, wenn in Zug die richtigen Schlüsse gezogen wurden, auch wenn dies beinhaltet, dass einige Spieler ihre Koffer packen müssen und neue Spieler unter dem neuen Trainer für frischen Wind sorgen können. Mit Genoni, Bengtsson und Martschini im Team wird der EVZ jedoch immer dem Anspruch gerecht, den Meistertitel ins Visier zu nehmen.
Andreas Wingerli Attilio Biasca Colin Lindemann Cyrill Brandenberg Dan Tangnes Daniel Vozenilek Dario Simion Dominik Schlumpf Eishockey Elia Riva EV Zug Fabrice Herzog Fredrik Olofsson Gabriel Carlsson Grégory Hofmann Jan Kovar Leon Muggli Leonardo Genoni Lino Martschini Livio Stadler Loris Wey Ludvig Johnson Lukas Bengtsson Michael Liniger Mike Künzle Mischa Geisser Nando Eggenberger National League Nic Balestra Niklas Hansson Patrick Lengwiler Raphael Diaz Robin Antenen Santo Simmchen Sven Leuenberger Sven Senteler Tim Wolf Tobias Geisser