Was war das für ein ereignisreicher Playoff-Kampf? Zwischenzeitlich war die Partie tatsächlich mehr Kampf als Hockey. Während auf der einen Seite ein glorreicher Held auserkoren wurde, musste auf der anderen Seite ein scheidender Trainer sein mögliches unrühmliches Ende mitansehen. Die Rede ist vom Spiel Nr. 3 zwischen dem EV Zug und dem HC Davos.
Der HC Davos steht nach einem 4:0-Auswärtssieg und dem damit einhergehenden 3:0 in der Serie, mit einem Bein im Halbfinale. Aufseiten des EV Zug bleibt ein Scherbenhaufen, bei dem man sich fragt, ob die Zuger gar sang- und klanglos bald in die Ferien verabschiedet werden. Wir werfen einen Blick auf einige Punkte, die in der heissen Playoff-Affiche zwischen dem EVZ und dem HCD bisher für Aufregung sorgten.
Es war ein Aufeinandertreffen zweier Streithähne. 98 Strafminuten, davon 72 gegen den EV Zug. Während der Partie provozierten sich beide Teams praktisch bei jedem einzelnen Unterbruch. Ein zunehmend frustrierter EVZ liess sich dabei von den negativen Gefühlen leiten und kassierte zwei Restausschlüsse inklusive zweier Fünfminutenstrafen und zusätzlichen elf Zweiminutenstrafen. Die Davoser ihrerseits holten sich gleich 13 Zweiminutenstrafen ab. Dass die Zuger jedoch durch die harte Gangart die Fassung verloren, spielte dem HCD in die Karten.
In den letzten drei Jahren gab es in den Playoff-Viertelfinals genau eine Partie, die noch mehr Strafminuten produzierte. Erneut waren die Davoser involviert, und zwar im Spiel vier der vergangenen Saison gegen den Lausanne HC. Unfassbare 157 Strafminuten wurden ausgesprochen, 116 davon alleine für den LHC.

Insgesamt holte der HCD in den drei Partien schon sagenhafte 25 Zweiminutenstrafen, 16 Mal davon spielte der EVZ tatsächlich mit einem Mann mehr auf dem Eis und gleich zweimal sogar in doppelter Überzahl. Insgesamt spielten die Zuger schon 25:18 Minuten im Powerplay, also über ein ganzes Drittel lang. Die Ausbeute der Zuger: Lediglich ein mickriges Tor durch Verteidiger Elia Riva, der normalerweise nicht mal in der ersten Powerplay-Formation spielt. Kurz und knapp lässt sich zusammenfassen: Das Zuger Powerplay funktioniert in dieser Begegnung schlicht und einfach nicht.
Auf der anderen Seite konnten die Bündner schon drei wichtige Powerplay-Tore erzielen. Die Kirsche auf der Torte war jedoch der Davoser Shorthander, also ein Tor in Unterzahl, zum wichtigen 1:0-Führungstreffer in Spiel drei. Vor allem die Art und Weise, wie man das Tor kassierte, ist äusserst fragwürdig. Ein mangelhaftes Back-Checking und keinen Druck auf den scheibenführenden Spieler (Simon Knak), der ungehindert querlegen konnte auf den völlig frei stehenden Adam Tambellini. Es war jener Nackenschlag für die Zuger, welcher sie komplett aus der Bahn warf.
Nach den ersten beiden Partien hatte man noch Mitleid mit dem geschwächten Zuger Ensemble, denn zahlreiche Hochkaräter fehlten im Team von Dan Tangnes. Doch in Spiel drei kehrten mit Captain Jan Kovar, Stürmer Mike Künzle und den Verteidigern Tobias Geisser und Dominik Schlumpf gleich vier Leistungsträger ins Team zurück. Auf dem Eis stand also keine Junioren-Truppe mehr, sondern ein Team gespickt mit Spielern, welche praktisch alle schon Schweizermeister geworden sind. Die einzigen gewichtigen Ausfälle sind derzeit Fabrice Herzog, der durch seine Physis und seiner Präsenz vor dem Tor fehlt, Lukas Bengtsson, der wohl beste Zwei-Weg-Verteidiger der Zentralschweizer und Verteidigungskollege Niklas Hansson, der in diesen Playoffs wenig überzeugen konnte.
Umso unverständlicher, dass mitunter auch Captain Jan Kovar und Mike Künzle zu den Aggressoren gehörten und auch Auslöser für das kopflose Verhalten der Zuger waren. Des Weiteren fehlt auch beim HCD ein Leistungsträger, denn für den verletzten Enzo Corvi ist die Saison bereits gelaufen. Mit Corvi vermisst das Team von Josh Holden nicht nur einen 27-Punkte-Mann, sondern auch einen der besten Bully-Spieler der Liga. Ausreden sucht man beim HCD aber keine, sondern die Spieler, die auf dem Eis stehen, wollen und müssen es richten.

Gleich mit zwei Hattricks glänzte der kanadische Topscorer schon gegen Zug. Damit erzielte der Stürmer mehr als die Hälfte aller geschossenen Tore (11) und wurde zweimal zum Matchwinner aufseiten des Teams von Headcoach Josh Holden.
Diese Tatsache ist aus Zuger Sicht auf zwei Ebenen bedenklich. Einerseits wissen die Zuger haargenau um die Torgefährlichkeit des Kanadiers, dennoch schaffen sie es nicht, den Davoser Topscorer aus dem Spiel zu nehmen - bis anhin fühlte sich keiner so wirklich verantwortlich, dem Topshot das Leben schwer zu machen.
Andererseits kann beim EVZ derzeit keiner eine solche Rolle einnehmen. Lediglich zwei Tore schossen die Zuger in den drei Partien. Eines davon erzielt durch den 19-jährigen Youngster Colin Lindemann, der in seinem vierten National-League-Einsatz mit einer Eiszeit von 08:10 Minuten seinen ersten Treffer in der National League erzielen konnte. Das zweite Tor wie bereits erwähnt im Powerplay durch Verteidiger Elia Riva.

Von der besten Offensive der Regular Season haben die Fans des dreifachen Schweizermeisters noch überhaupt nichts gesehen, weder von den Import-Spielern, noch von den zahlreichen Schweizer Nationalspieler. In der Analyse fällt auch auf, dass die Davoser schlicht und einfach mehr Kontrolle vor dem Tor haben, sie räumen vor dem eigenen Torraum alles auf und sind präsent vor Genoni. Die Zuger gehen derzeit nicht dorthin, wo es weh tut und machen es somit Sandro Aeschlimann im Tor des Rekordmeisters auch zu einfach, die relativ ungefährlichen Schüsse abzuwehren.
Bekanntlich wechselt der EVZ-Trainer auf nächste Saison hin zum Rögle BK nach Schweden. Tangnes konnte mit den Zugern grosse Erfolge feiern, führte er sie doch zuerst zum Pokalsieg, ehe er zweimal Schweizermeister wurde. "Er kam als Niemand und geht als Held", so der Wortlaut in einer eindrücklichen Choreo des Zuger Anhangs im zweiten Heimspiel. Doch was Tangnes an jenem Abend erlebte, hat der scheidende Trainer so nicht verdient. Denn neben der Klatsche sah er ein Team, dass sich selbst aufgegeben habe, das nicht füreinander gekämpft habe und nach eigener Aussage sich schlicht "Scheisse verhalten" habe. Ein solcher möglicher letzter Auftritt seiner Mannschaft vor den Heimfans wird dem Zuger Meistermacher nicht gerecht.
Sichtlich emotional berührt vom Geschehen auf dem Eis trabte Tangnes zum Interview mit MySports an. Die Worte, die er für den Auftritt seiner Mannschaft wählte, waren hart, aber ehrlich. Ein sympathischer Trainer, der mitansehen muss, wie er gegen seinen ehemaligen Lehrling, Josh Holden, mit dem Rücken zur Wand steht.
Doch nach all den negativen Worten und der harten Analyse, wollen wir den EVZ in aller Deutlichkeit noch nicht abschreiben. Eine Wende ist den Zugern durchaus zuzutrauen, denn mit einem Sieg in Davos könnte man wieder das nötige Selbstvertrauen tanken und sich zurück in die Serie spielen. In der heimischen BOSSARD Arena wäre danach alles möglich, um wieder heranzukommen. Doch es liegt nun einzig und alleine bei den Spielern, ob man sich nochmals aufrafft und alles reinhaut. Für das Team von Dan Tangnes heisst es nun "verlieren verboten".
Dass eine solche Wende möglich ist, hat der EVZ in der Vergangenheit gleich selbst bewiesen. Im Playoff-Finale 2021/22 lag man ebenfalls mit 0:3 im Rückstand gegen die ZSC Lions und drehte im Anschluss die Serie zum Meistertitel.
Des Weiteren muss man erwähnen, dass die Zuger durchaus auch Pech hatten und trotz starken Anfangsminuten nie in Führung gehen konnten. Gelingt einmal ein früher Befreiungsschlag, so könnten die Partien ganz anders ausgehen. In keinem Startdrittel haben die Zuger bis anhin ein Tor kassiert. Nun muss man die guten Anfangsminuten aber auch mal in was Zählbares ummünzen. Gelingt in der zondacrypto-Arena ein Aufbäumen und erspielt man Dan Tangnes nochmals ein Heimspiel, wer weiss was dann alles noch möglich ist.

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