Nati-Trainer Patrick Fischer gab jüngst den Kader bekannt für das zweite Turnier der Euro Hockey Tour, welches in der Schweiz anlässlich der SWISS Ice Hockey Games stattfinden werden. Im Gegensatz zum Karjala Cup setzt der Zuger im Heimturnier auf völlig "neue" Gesichter.
Bei der Euro Hockey Tour treten die vier Nationen Schweiz, Schweden, Finnland und Tschechien je gegeneinander an. Insgesamt vier Turniere dienen als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, sowie als Gradmesser der europäischen Topnationen. Und genau so fühlt es sich derzeit an, denn Patrick Fischer will auch dieses Jahr möglichst viel ausprobieren und sich ein genaues Bild möglichst vieler Kandidaten machen. Denn für die SWISS Ice Hockey Games krempelt er den Kader regelrecht um. Während in Finnland noch 27 Spieler am Start waren, wovon einige stets zum Zuschauen verdammt waren, stehen im neuen Aufgebot noch deren 24 Namen gelistet.
Doch besonders ist nicht etwa die Reduktion der Spieleranzahl, sondern viel mehr die Selektion der Spieler. Ganze 15 Spieler vom Karjala Cup sind in Fribourg nicht mehr mit am Start. Dafür hat man zwölf "neue" Spieler mit ins Boot geholt. Neu nur in Anführungszeichen, da alle Spieler bereits in der Vergangenheit Nati-Luft schnuppern konnten, aber nun für das zweite EHT-Turnier mit dabei sind. Nebst den neuen Spielern stehen mit Michael Liniger (Assistant Coach beim EV Zug) und Fabio Schumacher (Headcoach der U18-Nati) auch zwei Assistenten an der Bande, die in Finnland ebenfalls nicht mit von der Partie waren.
Der statistisch beste Torhüter der National League, Stéphane Charlin, überzeugte diese Saison bei den SCL Tigers und zeigte auch in Finnland, dass er ein sicherer Rückhalt sein kann, trotz einer weniger überragenden Fangquote als in der Liga. Dass der 24-Jährige nun auch beim Heimturnier ran darf, kommt wenig überraschend.
In der Verteidigung hat sich einiges getan, denn neu sind nur noch acht Spieler, statt wie in Finnland deren zehn aufgeboten. Doch mit dabei ist erneut Fabian Heldner vom Lausanne HC, sowie die beiden ZSC-Abwehrspieler Dean Kukan und Christian Marti. Der Rest wird völlig neu zusammengestellt.
Im Angriff setzt Fischer von den bisherigen weiterhin auf gestandene National-League-Spieler, vor allem der EV Zug und die ZSC Lions sind prominent vertreten. Aus der Kolinstadt mit dabei sind Attilio Biasca, Fabrice Herzog, Sven Senteler und Dario Simion. Aus Zürich mit on-board sind die Schweizer Top-Shots Sven Andrighetto und Denis Malgin. Des Weiteren kann sich Thierry Bader vom SC Bern und Damien Riat vom Lausanne HC über ein erneutes Aufgebot freuen. Doch das war's schon mit den Namen, die beim Karjala Cup vom November dabei waren.
Im Tor steht neu statt Gilles Senn erstmals nach der Rückkehr in die National League Ludovic Waeber. Der 28-Jährige ist der sichere Rückhalt in der bisher starken Saison des EHC Kloten. Mit einer 91,33 prozentigen Fangquote hatte Waeber bislang massgeblichen Anteil an der aktuellen starken Performance der Flughafenstädter. Nun darf er sein Können auch im Nati-Dress unter Beweis stellen.
Dominik Egli ist der einzige Spieler im Aufgebot, der nicht in der Schweiz spielt. Der Verteidiger liefert derzeit beim Frölunda HC in der schwedischen Liga starke Leistungen ab und gespannt schaut man auf seine Auftritte bei seiner Rückkehr in die Schweiz. Lukas Frick und Andrea Glauser (Lausanne HC), sowie Sven Jung (HC Davos) verfügen bereits über eine WM-Silbermedaille. Für sie kommt ein Aufgebot also keineswegs unerwartet. Neu mit dabei ist hingegen Roger Karrer, der Captain des Genève-Servette HC kann sich als zweifacher Schweizermeister und einmaliger Champions-Hockey-League-Sieger auszeichnen und liefert somit mehr als genug Argumente für ein Aufgebot. Karrer kam in der letzten Saison nie fürs Nationalteam zum Einsatz und kehrt somit in den Kreis der Nationalauswahl zurück.
Aus fünf verschiedenen Klubs sind sechs neue Stürmer mit am Start. Grégory Hofmann (EV Zug), Ken Jäger (Lausanne HC), Marco Lehmann (SC Bern), Calvin Thürkauf (HC Lugano) und von Gottéron Christoph Bertschy, sowie Sandro Schmid, werden in der BCF Arena in Fribourg auflaufen dürfen. Vor allem Lugano-Captain Thürkauf wird es guttun, nach seiner langen Verletzungsabsenz wieder Spielzeit zu sammeln. Allesamt Namen, die in der Schweizer Nationalmannschaft keine unbekannten Variablen sind, doch aufgrund diverser Gründe in Finnland nicht mit von der Partie waren.

Wie bereits erwähnt, muss Ambri-Torhüter Gilles Senn zu Hause bleiben. In der Abwehr reichte es diesmal für folgende Spieler nicht für die Ehre: David Aebischer (HC Lugano), Inaki Baragano (SCRJ Lakers), Tim Berni & Giancarlo Chanton (beide Genève-Servette HC), sowie Michael Fora (HC Davos), Tobias Geisser (EV Zug) und Romain Loeffel (SC Bern).
Auch bei den Stürmern wurden so einige Veränderungen vorgenommen, denn gleich sieben Spieler wurden gestrichen. Vom HC Davos fehlt mit Enzo Corvi ein Spieler, der aktuell stark in Form ist. Aber auch für Mike Künzle (EV Zug), Marco Miranda (Genève-Servette HC) und Tyler Moy (SCRJ Lakers) hat es diesmal keinen Platz im Kader. Mit Théo Rochette von Lausanne fehlt zudem eine offensive Waffe, denn seit Mitte November muss der Powerflügel verletzungsbedingt pausieren. Beim Karjala Cup gab zudem Nicholas Baechler von den ZSC Lions sein Nati-Debüt, doch auch der Jungspund wurde diesmal nicht mehr berücksichtigt.
Und ein aufmerksamer Leser wird bemerkt haben, dass der wohl prominenteste Name auf Schweizer Eis in der Auflistung fehlt …
Denn auch Andres Ambühl ist das erste Mal seit Jahren der ehrenamtlichen Diensttätigkeit nicht für die Nationalmannschaft aufgeboten. Der Schweizer Rekordnationalspieler, weltweite rekordhaltige WM-Teilnehmer und National-League-Rekordspieler fehlt ausgerechnet bei der WM-Hauptprobe im eigenen Land. Die Gründe für die Abwesenheit des Duracell-Hasen wurden bislang nicht kommuniziert.
Auffallend im Nati-Aufgebot ist derweilen, dass von Leader Davos generell mit Sven Jung nur ein Spieler vertreten ist. Gut möglich, dass den Bündnern im intensiven Dezember, in dem sie auch noch am Spengler Cup teilnehmen werden, eine Pause gegeben wird. Stark im Gegensatz zu der Omnipräsenz der Zuger, der Lausanner und des amtierenden Meisters Zürich, die insgesamt zusammen 14 Spieler stellen.
Patrick Fischer wirft somit ein Auge auf viele neue, aber auch altbekannte Gesichter, die sich für ein mögliches WM-Aufgebot im Mai aufdrängen wollen. Doch für den Schweizer Cheftrainer liegt der Fokus des Turniers klar auf der sportlichen Weiterentwicklung, sowie der Anknüpfung an die Auftritte beim Karjala Cup. Zusätzlich will man die heimische Unterstützung geniessen und weitere Erfahrungen sammeln im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2026 in der Schweiz.
"Die Vorfreude auf die SWISS Ice Hockey Games ist riesig. Es ist immer etwas Besonderes, vor den eigenen Fans zu spielen, und das gibt uns zusätzliche Motivation. Wir möchten uns nicht nur sportlich weiterentwickeln und an die Auftritte vom Karjala Cup anknüpfen, sondern auch den Fans für ihren Support etwas zurückgeben – Einsatz, Leidenschaft und Teamgeist"
Patrick Fischer, SIHF Medienmitteilung, 04.12.2024

Ob es mit dem neu sortierten Kader wieder für einen Coup gegen Angstgegner Schweden reicht, werden wir ab dem 12. Dezember 2024 sehen.
Wir erinnern uns an das letzte Spiel des Karjala Cups gegen Tschechien, welches mit 5:2 und einem chancenlosen Auftritt verloren ging. Zu reden rund um die Partie vom 10. November gab jedoch, dass die ZSC-Fraktion rund um Andrighetto, Malgin und Co. von den Zürchern in Absprache mit dem SIHF zurückbeordert wurden. Dies, weil die Lions zwei Tage später in der Champions Hockey League gegen die Straubing Tigers ran mussten.
Auch beim Turnier in der Schweiz im Dezember könnte es ungemütlich werden, denn mit dem Genève-Servette HC und den ZSC Lions stehen gleich zwei Schweizer Klubs, ebenfalls zwei Tage nach dem letzten Spiel gegen Finnland, aufgrund des Rückspiels im CHL-Viertelfinale im Einsatz. Die beiden Teams stellen zusammen fünf Spieler im derzeitigen Aufgebot. Die Frage wird also lauten: Kommt es auch diesmal zu einem verfrühten Turnierende einiger Spieler? Eine weitere Reduktion des Kaders auf 20 oder 19 Spieler scheint hingegen unvorstellbar.
So spielt die Schweiz
Das Aufgebot im Detail
Torhüter (2): Stéphane Charlin (SCL Tigers), Ludovic Waeber (EHC Kloten)
Verteidiger (8): Dominik Egli (Frölunda HC / SHL), Lukas Frick (Lausanne HC), Andrea Glauser (Lausanne HC), Fabian Heldner (Lausanne HC), Sven Jung (HC Davos), Roger Karrer (Genève-Servette HC), Dean Kukan (ZSC Lions), Christian Marti (ZSC Lions)
Stürmer (14): Sven Andrighetto (ZSC Lions), Thierry Bader (SC Bern), Christoph Bertschy (Fribourg-Gottéron), Attilio Biasca (EV Zug), Fabrice Herzog (EV Zug), Grégory Hofmann (EV Zug), Ken Jäger (Lausanne HC), Marco Lehmann (SC Bern), Denis Malgin (ZSC Lions), Damien Riat (Lausanne HC), Sandro Schmid (Fribourg-Gottéron), Sven Senteler (EV Zug), Dario Simion (EV Zug), Calvin Thürkauf (HC Lugano)
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