Die neue National-League-Saison steht vor der Tür. Für einige Spieler bedeutet das auch die Chance zur Wiedergutmachung. Ob Leistungsträger, Routiniers oder aufstrebende Talente: Diese acht Akteure blieben 2025/26 hinter den Erwartungen zurück und stehen in der kommenden Spielzeit besonders unter Beobachtung.
Eine neue Saison bedeutet neue Chancen. Das gilt insbesondere für jene Spieler, die in der vergangenen Spielzeit nicht an ihre erwarteten Leistungen anknüpfen konnten. Dabei ist die Ausgangslage nicht bei allen dieselbe. Während bei manchen Routiniers die Frage aufkommt, ob sie nochmals an frühere Zeiten anschliessen können, geht es bei jüngeren Spielern darum, einen Rückschritt möglichst schnell zu korrigieren. Wir haben acht Spieler herausgesucht, von denen in der Saison 2026/27 eine deutliche Reaktion erwartet werden darf.
Über Jahre gehörte Harri Säteri zu den verlässlichsten Torhütern der National League. In der vergangenen Saison bekam dieses Bild erstmals grössere Risse. Der Finne hatte 2023/24 noch 92,1 Prozent der Schüsse abgewehrt, ein Jahr später waren es sogar 92,5 Prozent. 2025/26 fiel seine Fangquote in der Qualifikation jedoch auf nur noch 89,7 Prozent. Gleichzeitig stieg sein Gegentorschnitt von 2,34 auf 2,88. Für einen ausländischen Torhüter, der beim EHC Biel eine Importlizenz beansprucht, ist das ein beträchtlicher Rückgang.
Umso bemerkenswerter ist, dass die Bieler weiterhin grosses Vertrauen in den mittlerweile 36-Jährigen setzen. Noch vor der vergangenen Saison verlängerte der Verein seinen Vertrag bis 2027 und bezeichnete ihn dabei als "zuverlässigen Rückhalt" sowie wichtigen Baustein der Mannschaft. Vor wenigen Tagen wurde Säteri zudem erneut ins Captain-Team aufgenommen.
Gleichzeitig hat sich die Situation hinter ihm verändert. Mit Viktor Östlund steht neu ein schwedischer Torhüter mit Schweizer Lizenz im Kader, der in der Swiss League überzeugte und den Konkurrenzkampf erhöhen dürfte. Säteris Status und seine Erfahrung sind unbestritten. Nach seiner statistisch schwächsten Bieler Saison muss der Olympiasieger nun aber zeigen, dass 2025/26 lediglich ein Ausreisser war.
Beim SC Bern dürfte kaum ein Spieler stärker in der Pflicht stehen als Miro Aaltonen. Als die Berner den Finnen verpflichteten, waren die Erwartungen eindeutig. Der damalige Sportchef Patrik Bärtschi bezeichnete ihn als "Top Center" und als kompletten Spieler, der "in entscheidenden Momenten den Unterschied machen kann". Aaltonen hatte zuvor in Kloten gezeigt, dass er zu den produktivsten Centern der Liga gehören kann.
Davon war während der vergangenen Qualifikation zu wenig zu sehen. In 43 Spielen gelangen ihm lediglich fünf Tore und 17 Assists. 22 Punkte sind für sich genommen kein Totalausfall. Gemessen an seiner Rolle als ausländischer Nummer-1-Center und den Erwartungen beim SCB war seine Wirkung aber zu gering.
Das sah auch die sportliche Führung so. Martin Plüss hielt nach dem frühen Saisonende fest, dass Aaltonen zwar immer gekämpft habe, aber nicht jene Wirkung erzielt habe, die man von ihm gewohnt sei. Als der Finne ein Jahr zuvor während der laufenden Saison nach Bern gekommen war, hatte er in seinen ersten elf Spielen gleich siebenmal getroffen. Plüss machte deshalb deutlich, dass bei Aaltonen "Luft nach oben" vorhanden sei. Sein Vertrag läuft noch bis 2027. Die Gelegenheit zur Wiedergutmachung bekommt Aaltonen also. Nun muss er sie nutzen.
Fabrice Herzog tauchte bereits vor einem Jahr in unserer Auswahl jener Spieler auf, die sich steigern mussten. Die erhoffte Antwort blieb aus. Stattdessen erlebte der Schweizer Nationalstürmer beim EV Zug eine ausgesprochen schwierige Spielzeit. In 48 Qualifikationspartien gelangen ihm gerade einmal drei Tore und fünf Assists. Acht Punkte bedeuten für ihn, der in seiner Karriere mehrfach über 30 Punkte erreicht hatte und über Jahre ein wichtiger Bestandteil des EVZ war, einen massiven Einbruch.
Herzog selbst versuchte nach der Saison gar nicht erst, die Situation schönzureden. "Meine Saison war nicht gut", sagte er gegenüber dem Blick. Gleichzeitig lieferte er eine wichtige Erklärung: Eine hartnäckige Rückenverletzung habe es ihm erschwert, körperlich wieder auf sein gewohntes Niveau zu kommen. Gegen Ende der Saison fand Herzog tatsächlich besser in die Spur und gehörte in den entscheidenden Spielen wieder zu den auffälligeren Zugern.
Für einen neuen Vertrag beim EVZ reichte es trotzdem nicht. Seine nächste Chance erhält der 31-Jährige nun bei den SCRJ Lakers. Dort erwartet man einiges vom routinierten Neuzugang. Sportchef Claudio Cadonau hebt dessen Physis und Präsenz vor dem gegnerischen Tor hervor und erinnert daran, dass Herzog gerade in grossen Momenten immer wieder ein entscheidender Faktor gewesen sei. Genau diesen Herzog wollen die Lakers sehen. Für ihn geht es 2026/27 darum, zu beweisen, dass seine schwache letzte Saison vor allem gesundheitliche Gründe hatte und nicht Ausdruck eines dauerhaften Leistungsabfalls war.
Kaum ein Spieler der National League steht vor einer spannenderen Saison als Inti Pestoni. Der Publikumsliebling und Identifikationsfigur des HC Ambri-Piotta erlebte 2025/26 einen regelrechten Absturz. Ein Jahr zuvor hatte Pestoni in 49 Qualifikationsspielen noch 21 Punkte erzielt. In der vergangenen Saison waren es in 41 Partien nur noch vier Tore und vier Assists. Erstmals in seiner langen National-League-Karriere blieb er damit in einer Qualifikation unter zehn Scorerpunkten.

Noch deutlicher als die Zahlen war seine sportliche Situation. Pestoni landete mehrfach als überzähliger Spieler auf der Tribüne. Unter Jussi Tapola spielte er in den Playouts schliesslich gar keine Rolle mehr. Pestoni selbst fand im Frühjahr deutliche Worte über seine Saison: Bei ihm habe schlicht "nichts funktioniert". Präsident Davide Mottis bezeichnete Pestoni anschliessend als wichtiges Gut für Ambri, machte aber ebenfalls klar, dass der Stürmer genau wisse, was der Trainer von ihm verlange und woran er arbeiten müsse.
Und die Anforderungen sind konkret. Tapola erklärte im August, Pestoni müsse körperlich insbesondere bei Intensität, Geschwindigkeit, Richtungswechseln und Antritt Fortschritte erzielen. Immerhin attestierte der Finne seinem Routinier bereits Verbesserungen. Mit 35 Jahren und einem Vertrag bis 2027 geht Pestoni möglicherweise in eine seiner letzten National-League-Saisons. Dass sein Talent nach wie vor vorhanden ist, bestreitet niemand. Die Frage lautet vielmehr, ob er seinen Spielstil nochmals so anpassen kann, dass er unter Tapola eine tragende Rolle erhält.
Vinzenz Rohrer gehört in dieser Liste in eine etwas andere Kategorie. Von einer schlechten Saison zu sprechen, wäre beim erst 22-Jährigen übertrieben. Dennoch verlief seine Entwicklung zuletzt nicht wie erhofft. 2024/25 hatte der Österreicher mit Schweizer Lizenz bei den ZSC Lions in 52 Qualifikationsspielen 15 Tore und 25 Punkte erzielt. Ein Jahr später waren es in 41 Partien nur noch vier Treffer und zwölf Punkte. Auch in neun Playoff-Spielen gelang ihm lediglich ein Tor.
Das ist vor allem deshalb relevant, weil Rohrer längst nicht mehr einfach irgendein Talent ist. Montreal wählte ihn 2022 in der dritten Runde des NHL-Drafts aus und stattete ihn 2025 mit einem dreijährigen Entry-Level-Vertrag aus. Nach seinem ZSC-Jahr und einem kurzen Abstecher zu den Laval Rocket erhält er nun beim EV Zug eine neue Plattform.
Die Erwartungen dort sind durchaus hoch. EVZ-General Manager Ted Suihkonen sagt, Rohrer könne in Zug "eine wichtige Rolle" spielen. Der Spieler selbst spricht davon, dass die vorgesehene Rolle perfekt für seine sportliche und persönliche Entwicklung sei und er grosses Vertrauen von Club und Coachingstaff spüre. Für Rohrer ist die kommende Saison deshalb weniger eine Wiedergutmachung als vielmehr eine Richtungsentscheidung. Will er mittelfristig in Nordamerika Fuss fassen, muss er in Zug wieder jene offensive Entwicklung zeigen, die ihn schon früh zu einem der spannendsten jungen Spieler der Liga machte.
Nach seiner starken Saison 2024/25 schien Manix Landry unmittelbar vor dem grossen Durchbruch zu stehen. In seinem zweiten National-League-Jahr steigerte sich der Center auf 14 Tore und 25 Punkte in 52 Qualifikationsspielen und war damit einer der produktivsten Spieler mit Schweizer Lizenz des HC Ambri-Piotta. 2025/26 folgte statt des nächsten Schritts allerdings ein Rückschritt: sieben Tore und 16 Punkte in wiederum 52 Qualifikationspartien. Auch seine Plus/Minus-Bilanz verschlechterte sich von +2 auf -11.
Im Tessin wurde deshalb durchaus kritisch über seine Entwicklung gesprochen. HeShootsHeScoores bezeichnete die vergangene Spielzeit als schwächste seiner bislang drei Saisons in Ambri und verwies neben der halbierten Torproduktion auch auf mehr defensive Fehler. Von Landry hatte man sich einen verlässlichen Top-Six-Center erhofft.
Auch der Spieler selbst weiss, dass mehr kommen muss. In einem Interview während der aktuellen Vorbereitung räumte der 23-Jährige ein, dass die vergangene Saison nicht so verlaufen sei, wie er es sich vorgestellt habe. Die turbulenten Monate mit mehreren Trainerwechseln und der zwischenzeitlichen Beförderung und späteren Entlassung seines Vaters Eric Landry waren auch für ihn aussergewöhnlich. Trotzdem will er diese Erfahrungen nun als zusätzliche Motivation nutzen. Das Potenzial ist vorhanden. Seine 25-Punkte-Saison hat Landry bereits geliefert. Nun muss er beweisen, dass dieses Jahr keine Ausnahme war.
Bei Fabian Ritzmann sprechen die Zahlen eine besonders deutliche Sprache. 2024/25 hatte der Flügelstürmer beim SC Bern einen klaren Schritt nach vorne gemacht. In 50 Qualifikationsspielen erzielte er sieben Tore und bereitete zehn weitere Treffer vor. Die Entwicklung überzeugte die Verantwortlichen so sehr, dass sein Vertrag im Sommer 2025 um zwei Jahre mit Option auf eine weitere Saison verlängert wurde.

Sportchef Martin Plüss lobte damals Ritzmanns "gute und solide Entwicklung" und zeigte sich überzeugt davon, dass sich der Stürmer weiter positiv entwickeln werde. Dann kam die Ernüchterung. In 49 Qualifikationsspielen 2025/26 blieb Ritzmann ohne einziges Tor. Lediglich fünf Assists standen am Ende zu Buche. Von 17 Punkten auf fünf, von sieben Toren auf null. Viel deutlicher kann ein offensiver Rückschritt kaum ausfallen.
Natürlich besteht Ritzmanns Wert nicht ausschliesslich aus Toren. Mit 1,92 Metern und rund 100 Kilogramm bringt er Qualitäten mit, die im SCB-Kader nicht im Überfluss vorhanden sind. Gerade deshalb dürfte man in Bern aber erwarten, dass er diese Physis wieder stärker mit offensiver Produktion kombiniert. Ritzmann ist erst 24 Jahre alt und langfristig gebunden. Für Panik besteht deshalb kein Anlass. Ein zweites Jahr auf dem Niveau der vergangenen Saison wäre nach seinem vielversprechenden Aufstieg zuvor jedoch eine grosse Enttäuschung.
Bei Ramon Untersander beginnt im Alter von 35 Jahren nochmals ein völlig neues Kapitel. Elf Saisons lang war der Verteidiger eine feste Grösse beim SC Bern. Er gewann mit den Bernern drei Meistertitel, gehörte über Jahre zu den produktivsten Schweizer Verteidigern und führte die Mannschaft zuletzt als Captain aufs Eis.
Ausgerechnet seine letzte SCB-Saison wurde jedoch zu seiner schwierigsten seit Jahren. Zwischen 2021/22 und 2023/24 hatte Untersander in der Qualifikation dreimal hintereinander mindestens 30 Punkte gesammelt. 2024/25 waren es noch 23. In der vergangenen Spielzeit fiel seine Ausbeute auf fünf Tore und sieben Assists in 52 Spielen. Gleichzeitig stand eine Minus-15-Bilanz zu Buche.
Nach dem enttäuschenden Aus des SCB fand der damalige Captain selbst deutliche Worte. Mit diesem Ende sei die Saison "eine Katastrophe", sagte Untersander und forderte jeden Spieler auf, sich selbst zu hinterfragen. Wenige Wochen später war klar: Bern plant trotz ursprünglich weiterlaufendem Vertrag ohne seinen langjährigen Führungsspieler.
Bei Genève-Servette erhält er nun eine neue Chance. Die Genfer sprechen bei seiner Verpflichtung von einer gewichtigen Verstärkung und heben insbesondere Untersanders Leadership, seinen Spielaufbau und seine Erfahrung hervor. Der Vertrag läuft gleich über zwei Jahre bis 2028. Damit ist die Ausgangslage reizvoll. Untersander muss nicht mehr beweisen, dass er ein herausragender National-League-Verteidiger sein kann - das hat er über viele Jahre getan. Er muss zeigen, dass er es noch immer ist. Nach seiner schwächsten Offensivsaison seit fünf Jahren bietet ihm Genf dafür die perfekte Bühne.
Dennis Rogge EHC Biel-Bienne Eishockey EV Zug Fabian Ritzmann Fabrice Herzog Genève-Servette HC Harri Säteri HC Ambri-Piotta Inti Pestoni Manix Landry Miro Aaltonen MyHockey League National League Ramon Untersander SC Bern SC Rapperswil-Jona Lakers Vinzenz Rohrer