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Trotz grosser Leere feiern die Fans ihre Silberhelden nach dem dritten verpassten WM-Titel in Folge

Medaillenfeier der Schweizer Nati

Einen Tag nach dem dramatischen Endspiel zog die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft im Volkshaus Zürich Bilanz. Während die Spieler noch sichtlich unter der verpassten historischen Chance litten, blickten Trainer Jan Cadieux und Goalie Leonardo Genoni bereits wieder mit viel Stolz auf zwei fesselnde Wochen zurück.

Ein Silberbarren mit einem Gewicht von 250 Gramm ist aktuell fast 600 Franken wert. Doch eine Silbermedaille, die ebenso viel wiegt, ist für die Spieler im ersten Moment nichts wert – zumindest nicht einen Tag nach dem verlorenen Final der Heim-Weltmeisterschaft. Als die Nationalspieler am Montagabend auf die Bühne im Volkshaus in Zürich kamen, trug niemand das Edelmetall um den Hals.

Einzig Leonardo Genoni nahm seine nach der Medaillenfeier hervor und hängte sie den kleinsten Fans um den Hals. Alle anderen Medaillen blieben an diesem Abend verborgen. Die Enttäuschung über das, was vor nicht einmal 24 Stunden passiert war, war noch sehr präsent. Das sah man den Spielern an. Als diese auf die Bühne kamen, standen sie ganz hinten an der Wand. Hätte es eine Möglichkeit zum Verstecken gegeben, wären wohl alle dahinter stehen geblieben.

Geburtstagständchen munterte Josi auf

Diese Enttäuschung ist den Silberhelden aber nicht zu verübeln. So gerne hätten sie sich und alle Fans am Sonntagabend mit dem Weltmeistertitel belohnt. "Es ist eine grosse Leere", sagte Nino Niederreiter zu den Fans. Er habe wirklich gedacht, dass man nach so vielen Silbermedaillen-Niederlagen endlich zu Hause belohnt werden würde. Dem war aber nicht so.

"Dass es nicht geklappt hat, ist heute schwierig zu erklären", sagte Captain Roman Josi und fügte hinzu: "Am Willen und Glauben im Team hat es nicht gefehlt." Woran es letztlich gefehlt hat, wusste im Volkshaus niemand so wirklich. "Es braucht seine Zeit, dies zu verarbeiten", so Josi, der am Sonntag zum MVP des Turniers ausgezeichnet wurde und am Montag seinen Geburtstag feierte. Immerhin half ein Ständchen der Fans, um dem so enttäuschten Verteidiger ein Lächeln zu entlocken.

Ein bisschen distanzierter und positiver sah dies Leonardo Genoni – ausgerechnet er, der in der Overtime bezwungen wurde, aber keinerlei Schuld an der Niederlage hatte. "Dieser Titel wäre das i-Tüpfelchen gewesen, aber auch ohne diese Goldmedaille haben wir noch nie so etwas Schönes erlebt", sagte er. Der Goalie sei überrascht gewesen, wie viele Menschen in der ganzen Schweiz mitfieberten – und das bei einem eigentlich eher zurückhaltenden Volk.

Fans hofften auf Autogramme, wurden aber enttäuscht

Für Trainer Jan Cadieux waren es zwei unglaubliche Wochen. "Vielleicht haben wir heute nicht die richtige Medaille, dafür haben wir Gold für die Emotionen gewonnen", sagte er. Gegen Grossbritannien blieb er zusammen mit dem Staff länger auf der Bank, um die Stimmung aufzusaugen, und war begeistert. "Der Wille ist da, eines Tages die Goldmedaille nach Hause zu bringen", so Cadieux.

Die Fans machten nicht nur bei der ganzen WM einen grossartigen Job, sondern unterstützten die "Eisgenossen" auch dann, als sie am Tiefpunkt angelangt waren. Als am Montagabend die Zusammenfassung der Weltmeisterschaft über die Grossleinwand flimmerte, jubelten die Schweizer Fans, als wäre die Szene gerade live. Sie sangen den Spielern nochmals die "W.Nuss" vor und jubelten ihnen zu.

Mit Zwischenrufen an ihre Nati-Helden brachten sie die Spieler zum Lachen, auch wenn noch immer niemandem zum Lachen zumute war. Doch es waren am Schluss die Fans, die etwas enttäuscht zurückgelassen wurden. Sie konnten weder ein Autogramm erhaschen noch ein Foto mit ihren Silberhelden machen. Einzig ein Fähnchen und ein Gratis-Schal gab es zur Entschädigung. Irgendwie verständlich, wenn man den WM-Final verliert, doch es gab 14 weitere Teams, die es an der WM nicht einmal in den Final geschafft hatten.

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2026-06-01 21:23:45