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Kahuns frühzeitiger Abgang aus Lausanne hatte einen schönen Grund

Der Deutsche im exklusiven Interview

Dominik Kahun ist zurück in Deutschland. Nach fünf Jahren in der National League beim SC Bern und dem Lausanne HC wechselte der 31-Jährige im Sommer zurück nach München. Im Interview spricht der Deutsche über seine Zeit in der Schweiz, die Gründe für seine Rückkehr, die Unterschiede zur DEL und die Heim-WM in Deutschland.

Dominik Kahun ist zurück in München. Nach mehreren Jahren in Nordamerika und Stationen in der NHL entschied sich der Deutsche 2021 für den Wechsel in die National League zum SC Bern. Später lief er für Lausanne auf, ehe er in diesem Sommer nach Deutschland zurückkehrte. Fünf Jahre lang war die Schweiz seine zweite Heimat. Nun beginnt für den 31-Jährigen in München ein neues Kapitel - mit viel Erfahrung aus der National League, einer jungen Familie und grossen Zielen für die Zukunft.

Du bist zurück in München. Wie hast du dich akklimatisiert?

Dominik Kahun: "Sehr gut! Es ist wie damals, es fühlt sich einfach wie zu Hause an. Man spürt sofort, wie viel Spass es macht. Wir sind sehr glücklich, wieder hier zu sein - auch mit unserem Nachwuchs war das genau die richtige Entscheidung."

Du hättest in Lausanne noch einen Vertrag gehabt. Hast du schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, nach Hause zurückzukehren, oder war das eine spontane Entscheidung?

"Es war immer ein wenig im Hinterkopf, dass wir irgendwann zurückgehen wollen. Dass es jetzt schon passiert ist, war so nicht geplant. Aber da wir ein Baby erwartet haben, war das für uns der perfekte Zeitpunkt, zu sagen: Wir versuchen es jetzt. Wir wären zwar auch sehr gerne noch in Lausanne geblieben, aber für uns war klar: Wenn der Kleine da ist, geht es zurück nach Hause."

Herzlichen Glückwunsch. Wann seid ihr Eltern geworden?

"Vielen Dank. Das war schon vor einem Monat."

Das bedeutet für dich derzeit also nicht nur einen neuen Arbeitgeber, sondern wahrscheinlich auch etwas weniger Schlaf.

"Manche Nächte so, manche so (lacht). Das Leben hat sich auf einen Schlag komplett verändert - natürlich absolut im Positiven. Der Schlaf ist zwar etwas kürzer, aber es ist einfach unglaublich und macht riesigen Spass. Jedes Mal, wenn man vom Training oder vom Spiel nach Hause kommt, wartet jemand voller Vorfreude auf einen. Das ist wunderschön."

Das gibt sicher viel Motivation.

"Auf jeden Fall, das gibt extrem viel Kraft! Ich habe das schon bei einigen Spielen oder im Training gemerkt: Wenn man denkt, dass es gerade nicht so läuft oder man sich müde fühlt, erinnert man sich daran, dass es etwas gibt, das noch um einiges wichtiger ist. Es bringt einfach ein ganz neues Mindset mit sich."

Du hast erst kürzlich gegen Lausanne im Testspiel gespielt. Wie war dieses Wiedersehen?

"Ich habe vor und nach dem Spiel viel Zeit mit den Jungs und dem Trainerstab verbracht. Das fühlte sich teilweise immer noch so an, als wären es meine Mitspieler. Ich hatte dort eine tolle Zeit und sehr gute Verhältnisse zu allen. Daher vermisse ich vor allem die Menschen dort."

Das war sicher ein spezielles Erlebnis.

"Absolut. Ich habe in meiner Karriere zwar schon ein paar Mal gegen Ex-Teams gespielt, aber noch nie so schnell nach einem Wechsel. Das war wirklich amüsant. Vorher gab es natürlich auch den einen oder anderen humorvollen Schlagabtausch per Nachricht mit den Jungs."

Wie blickst du insgesamt auf deine Zeit in der Schweiz zurück - in Lausanne und davor in Bern?

"Es war eine wunderschöne Zeit mit grossartigen Erinnerungen. Mein grosses Ziel war es natürlich, die Schweizer Meisterschaft zu gewinnen. Mit Lausanne waren wir nah dran, haben dann aber leider gegen Zürich verloren. Trotzdem blicke ich ohne Groll zurück; es gibt nichts, was ich bereue. Es war eine wertvolle Erfahrung, und wir haben viele Freundschaften geschlossen, die bis heute halten. Auch meine Frau hat neue Freundinnen gefunden."

Hat dich die Zeit in der Schweiz auch als Mensch geprägt?

"Ja, absolut. Es war eine neue Erfahrung und ein neues Land für uns. Auch sprachlich war es spannend. Am Anfang dachte ich naiv, Berndeutsch sei einfach und leicht verständlich."

Aber?

"Als ich dann dort war, habe ich im ersten Moment kein Wort verstanden. Nach einem Jahr ging es dann aber sehr gut. Ich kann es zwar nicht sprechen, aber ich verstehe es mittlerweile. In Lausanne mit dem Französischen war es natürlich noch einmal eine andere Hürde - Französisch kann ich bis heute nicht (lacht)."

Der Deutsche hat kein Französisch in seiner Zeit in Lausanne gelernt. (Bild: Pascal Muller/freshfocus)

Wenn dich ein Kollege fragen würde, ob er in die Schweizer National League wechseln soll, was würdest du ihm raten?

"Zu 100 Prozent dafür! Die National League gehört zusammen mit der schwedischen Liga zu den stärksten in Europa. Die Qualität verbessert sich von Jahr zu Jahr extrem. Als ich 2021 in die Schweiz gegangen bin, war das Niveau schon hoch, aber bis zu meiner letzten Saison hat sich das noch einmal gewaltig gesteigert. Es ist eine fantastische Liga mit herausragenden Eishockeyspielern, tollen Stadien und einer grossartigen Fankultur."

Wie schneidet die DEL im Vergleich zur National League ab?

"Die DEL hat sich ebenfalls enorm weiterentwickelt im Vergleich zu der Zeit, als ich früher hier gespielt habe. In den vergangenen Jahren sind sehr starke Spieler in die Liga gekommen. Die Top-Teams der DEL könnten definitiv auch in der Schweiz oben mitspielen. Der grösste Unterschied liegt wahrscheinlich in der Leistungsdichte: In der Schweiz ist es bis zum zehnten Platz extrem eng beieinander."

Im vergangenen Mai fand die Weltmeisterschaft in der Schweiz statt. Wie speziell war dieses Turnier für dich?

"Es war sehr besonders - wie eine kleine Heim-WM. Sportlich lief es für uns als deutsches Team leider überhaupt nicht nach Wunsch, was natürlich schmerzt. Aber von der Organisation und der Stimmung her war es ein überragendes Turnier. Die Erinnerungen sind zwiespältig: riesiger Spass auf der einen Seite, Enttäuschung über das Abschneiden auf der anderen."

Nun steht für dich bald die "grosse" Heim-WM an. Wie gross ist die Vorfreude?

"Die Vorfreude ist riesig. Ich durfte ja schon 2017 bei der Heim-WM in Köln dabei sein. Das wird wieder ein absolutes Highlight mit den deutschen Fans im Rücken, auf das wir kaum warten können."

Der 31-Jährige freut sich auf die Heim-WM nächstes Jahr.
(Bild: Pascal Muller/freshfocus)

Welchen Stellenwert hat eine solche Heim-WM für dich persönlich im Vergleich zu Meisterschaftstiteln oder deiner Zeit in der NHL?

"Das steht ganz weit oben, gar keine Frage. Die NHL ist der Kindheitstraum jedes Spielers. Eine Heim-WM ist dagegen eher ein Traum als Eishockey-Nation. Wir wissen, dass wir jedes Spiel vor ausverkauften Rängen bestreiten werden. Wenn die Hallen voller deutscher Flaggen sind, ist das Gänsehaut pur."

Welche persönlichen Ziele hast du dir für die kommende Saison mit München gesteckt?

"Ich möchte einfach mein bestes Eishockey zeigen. Ich bin nach wie vor sehr ehrgeizig und möchte mich jeden Tag verbessern. Aber ich bin jetzt auch in einem Alter, in dem ich Führungsspieler sein möchte. Ich will meine Mitspieler besser machen, meine Erfahrung weitergeben und Vorbild sein. Früher lag der Fokus stark auf den eigenen Punkten, um sich durchzusetzen und den nächsten Schritt zu machen. Das liegt hinter mir. Mein einziges Ziel ist es jetzt, als Mannschaft erfolgreich zu sein und Titel nach München zu holen."

Das heisst, du hast deine Träume erfüllt?

"Ja, dafür bin ich extrem dankbar. Als kleiner Junge wollte ich immer in der NHL spielen, bei einer WM dabei sein und an Olympia teilnehmen. Dass ich mir all das erfüllen durfte, macht mich glücklich."

Gibt es dennoch etwas, was dich täglich antreibt?

"Jetzt geht es für mich darum, den Sport jeden Tag zu geniessen, der Mannschaft zu helfen und etwas zurückzugeben."

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2026-09-12 12:00:57