Verletzungssorgen können im Eishockey schnell einen vielversprechenden Saisonstart empfindlich trüben. Als beim EHC Kloten mit Pontus Åberg und Brandon Gignac gleich zwei tragende Import-Stürmer verletzungsbedingt ausfielen, drohte der Offensive der Zürcher Unterländer ein spürbarer Substanzverlust. In einer solchen Situation greifen Sportchefs oft zu reinen Notlösungen, doch Joona Luoto erweist sich als weit mehr als ein blosser Lückenbüsser.
Der 29-jährige Finne, der bis Ende November mit einer beidseitigen Option auf eine Verlängerung bis Saisonende unter Vertrag genommen wurde, benötigte keinerlei Eingewöhnungszeit. Bereits in seinen ersten drei Pflichtspielen im Klotener Dress steuerte der grossgewachsene Flügelstürmer zwei Torvorlagen bei und demonstrierte seinen unmittelbaren Wert für das Team von Michael Liniger.
Dass Luoto das raue Parkett der Schweizer National League auf Anhieb versteht, kommt keineswegs überraschend: In der Spielzeit 2023/24 bestand er seine Feuertaufe beim SC Bern mit Bravour. Die Mutzen steckten damals in personellen Nöten und statteten Luoto unmittelbar vor dem Saisonstart lediglich mit einem eng befristeten Try-Out-Vertrag aus. Viele ausländische Profis tun sich unter solchem Druck schwer, doch Luoto verwandelte das temporäre Engagement in eine persönliche Erfolgsgeschichte.
Mit kompromissloser Wucht, Zweikampfhärte an den Banden und bemerkenswerter Kaltblütigkeit im Slot eroberte er das Vertrauen der Berner Führung. Die logische Konsequenz: Der SCB verlängerte das Arbeitspapier vorzeitig bis zum Saisonende. Am Ende verbuchte Luoto in 52 Pflichtspielen für Bern 20 Treffer und 10 Vorlagen. In der Qualifikation avancierte er mit 18 Toren und einer starken Plus-Minus-Bilanz von +14 phasenweise zum besten Torschützen der Hauptstädter. Luoto erarbeitete sich den Ruf als Spezialist für die ungemütlichen Zonen vor dem Kasten. Dieses Erfahrungspolster ist für Kloten Gold wert: Er kennt die Liga, das Tempo und die Schiedsrichterlinie bereits bestens.
Der Werdegang von Joona Luoto ist der eines klassischen finnischen Spätstarters mit vorbildlicher Arbeitsmoral. Ausgebildet in der Talentschmiede von Tappara Tampere, feierte er 2017 und 2022 den finnischen Meistertitel. Sein Meisterstück lieferte er im Frühjahr 2022 ab: In den Liiga-Playoffs dominierte er mit 8 Toren und 9 Assists in 14 Partien, schoss das meisterschaftsentscheidende Tor und wurde mit dem traditionsreichen Jari-Kurri-Award als Playoff-MVP ausgezeichnet.
Ungedraftet kämpfte sich Luoto ausserdem bis in die NHL vor. Für Winnipeg und Columbus bestritt er 23 Partien (1 Tor), während er in der AHL für Manitoba und Cleveland in 74 Spielen 33 Punkte sammelte und seine Physis an den Banden schärfte. Zuletzt stand er zwei Jahre in Schwedens Spitzenliga SHL bei HV71 unter Vertrag. Als Assistenzkapitän bewies er erneut Playoff-Nerven, als er den Verein gleich zweimal in den Playouts mit zusammengezählt 11 Punkten in 10 Partien vor dem Abstieg bewahrte.

Mit 1,90 Metern Körpergrösse und 91 Kilogramm Kampfgewicht verkörpert Luoto jenen Spielertyp, der in der National League gesucht und rar ist. Seine herausragende Stärke liegt im Slot direkt vor dem Tor. Er nimmt gegnerischen Torhütern die Sicht, schirmt Pucks ab und fälscht Distanzschüsse mit hoher Hand-Augen-Koordination ab. Viele seiner Treffer fallen in die Kategorie "Arbeitssieg": Abpraller, Rebounds und harte Duelle im Torraum.
Dazu kommen ein aggressives Forechecking und enorme Stabilität im Bandenkampf. Klotens Sportchef Ricardo Schödler betonte treffend, dass man mit Luoto einen physisch starken Spieler erhalte, der viel Präsenz mitbringe, über einen satten Abschluss verfüge und besonders rund um das gegnerische Tor seine Stärken ausspiele. Taktisch agiert er zudem defensiv äusserst diszipliniert.
Die Verpflichtung schliesst eine empfindliche taktische Lücke im Klotener Angriffsspiel. Durch den Ausfall von Åberg fehlte ein robuster Flügel, der gegnerische Verteidiger bindet und im Powerplay vor dem Kasten für Unruhe sorgt. Luoto füllt diese Rolle ideal aus und schafft damit Raum für Kreativspieler wie Arttu Ruotsalainen.
Dass die Abstimmung auf Anhieb passt, zeigten seine ersten drei Auftritte. Bei seinem Einstand gegen Bern leitete er in Überzahl den 1:1-Ausgleich ein. Im Derby gegen die ZSC Lions bediente er Petteri Puhakka mustergültig bei einer Tic-Tac-Toe-Kombination zum Anschlusstreffer. Zwei Torvorlagen aus drei Partien belegen seinen direkten sportlichen Einfluss.
Der befristete Kontrakt bis Ende November ist für Kloten ein Transfer ohne finanzielles Risiko. Dank einer gegenseitigen Option können beide Parteien die Zusammenarbeit bis Saisonende verlängern. Bringt Luoto seine Slot-Präsenz und Durchschlagskraft weiterhin so konstant aufs Eis wie bei seinem Start, wird Kloten kaum zögern, die Option zu ziehen. Wie damals in Bern könnte aus der temporären Aushilfe rasch eine tragende Stütze werden.
Damian Möschinger EHC Kloten Eishockey Joona Luoto National League