Marc Giger – wer ist das? Diese Frage stellten sich am letzten Dienstagabend wohl viele Fans, als der 21-Jährige sein Debüt in der Champions League für Union Saint-Gilloise gab. Vor zwei Jahren spielte der Zürcher noch in der Promotion League – jetzt läuft er auf der ganz grossen Bühne auf.
Marc Giger hat am Dienstagabend seinen ersten Einsatz in der UEFA Champions League gefeiert. Beim 3:1-Sieg von Royale Union Saint-Gilloise gegen PSV Eindhoven wurde der 21-Jährige eingewechselt. Es ist ein Moment, der nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für viele Fussballfans überraschend kam. Denn noch vor wenigen Jahren war Giger praktisch unbekannt, sein Aufstieg in den letzten Jahren war steiler als jeder andere Schweizer Spieler.
In seiner Jugend spielte Giger beim Grasshopper Club Zürich, jedoch nur bis zur U17. Danach schien die Karriere des Stürmers ins Stocken zu geraten. Doch Giger kämpfte weiter und fand seine Chance beim FC Linth 04 in der 2. Liga interregional. In der Saison 2022/23 erzielte er in 23 Spielen sieben Tore und machte damit auf sich aufmerksam.
Gigers Entwicklung setzte sich fort: Vom FC Linth 04 wechselte er zum FC Paradiso in die Promotion League. Dort war der 21-Jährige in Topform und traf in 16 Spielen ebenfalls siebenmal, obwohl die Saison noch nicht einmal abgeschlossen war, klopfte bereits der FC Schaffhausen aus der Challenge League an.
In Schaffhausen hatte Giger zunächst Schwierigkeiten, sich durchzusetzen. In seiner ersten Saison kam er in 17 Spielen nur auf ein Tor. Doch in der darauffolgenden Saison zeigte er erneut seine Klasse: In 18 Einsätzen erzielte er sechs Tore und bereitete vier weitere vor. Die starken Leistungen machten ihn zu einem begehrten Spieler, und noch in derselben Saison wechselte Giger zum belgischen Topclub Union Saint-Gilloise.

Die Gründe für das Interesse von Saint-Gilloise waren ungewöhnlich. Trotz nur sieben Toren in 35 Einsätzen für Schaffhausen fiel Giger den Analysten des belgischen Clubs auf. Sie entdeckten, dass er in der Challenge League die meisten Eins-gegen-eins-Duelle gewann. Sein ehemaliger Sportchef bei Linth 04 beschreibt Giger als "Strassenfussballer" mit unberechenbaren Qualitäten. Fähigkeiten, die ihn für den belgischen Meister attraktiv machten. Rund 300’000 Franken Ablöse zahlte Saint-Gilloise für den jungen Stürmer, der in seiner ersten Saison in Belgien mit drei Kurzeinsätzen zum Meistertitel beitrug.
Die Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 markieren Gigers eigentlichen Durchbruch. In nur zwei Jahren schaffte er den Sprung von der Schweizer Promotion League zum belgischen Topclub. Für viele Beobachter ist diese Entwicklung bemerkenswert: Vom Viertligaspiel vor ein paar hundert Zuschauern bis zum Champions-League-Auftritt vor 35’000 Fans – Gigers Aufstieg ist extrem steil und ungewöhnlich.
In der laufenden Saison kam Giger bisher zu vier Kurzeinsätzen. Gegen den FCV Dender EH steuerte er bereits einen Assist bei. Klar: Die Konkurrenz bei Union SG ist riesig, weshalb seine Einsatzminuten noch limitiert sind. Doch das Vertrauen wächst, zuletzt durfte der Zürcher in drei Pflichtspielen in Serie ran. Und dann natürlich das Highlight: ganze 23 Minuten Champions League. Nicht etwa bei einem lockeren Spaziergang, sondern in einem knappen Fight gegen den PSV Eindhoven.

Jetzt wird es ernst. Giger muss sich in Belgien mehr denn je beweisen. Doch wer in nur zwei Jahren den Sprung aus der Promotion League in die Königsklasse schafft, der hat auch das Potenzial sich im Team von Union SG zu etablieren. Der 21-Jährige bringt genau das mit, was es im modernen Fussball braucht: Tempo, Mut, Strassenfussball-Instinkt.
Union SG setzt klar auf den Schweizer, denn sein Vertrag läuft bis 2029. Giger hat also Zeit, sich zu entwickeln, zu lernen und irgendwann vielleicht sogar zum Stammspieler aufzusteigen. Und wer weiss, vielleicht sehen wird in ja schon bald auch in der Schweizer Nationalmannschaft.
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