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Nach zwei titellosen Jahren sind in Bern die Leaderfiguren gefragt

Benito, Zesiger und Essende

Mit Cédric Zesiger ist eine Leaderfigur zum BSC Young Boys zurückgekehrt. In der Innenverteidigung sorgt er für zusätzlichen Konkurrenzkampf mit Captain Loris Benito. Schlussendlich haben die Leistungsträger aber vor allem eins im Sinn: YB zurück an die Spitze zu führen.

Nach drei Jahren in der Bundesliga kehrte Cédric Zesiger in die Schweiz zurück. Der Start war für den Abwehrspieler ein steiler: "Es war eine sehr intensive Zeit. Ich bin direkt mit dem Trainingslager eingestiegen und musste Gas geben. Ich bin aber froh, zurück zu sein. Es tut gut, wieder zu Hause zu sein." Im Umfeld habe sich aber nicht viel verändert. Der Verein habe sich professionalisiert, aber im Staff habe er noch in einige bekannte Gesichter geblickt.

Auch wenn man nicht neu zum BSC Young Boys wechselte, war es offenbar eine strenge Vorbereitung, wie Captain Loris Benito am Medientag verriet: "Streng machte es vor allem die lange Vorbereitungszeit. Es waren sechs lange Wochen ohne Ernstkampf. Dazu war es ständig warm." Trotzdem sei die Phase vor der Saison grundsätzlich nicht intensiver als in anderen Jahren gewesen.

Die letzte Saison ist abgeschlossen

In der letzten Saison überzeugte die YB-Abwehr nicht, das verhehlt auch Zesiger nicht. Dadurch sei auch Selbstvertrauen verloren gegangen. In der Zukunft möchte der Innenverteidiger vorangehen und auch mit seinem Leadership glänzen: "Ich will Verantwortung übernehmen und vorangehen. Es kann auch einmal dreckig werden. Am Ende muss das Tor einfach anständig verteidigt werden." Auch innerhalb der Teamhierarchie nimmt der Rückkehrer sogleich eine zentrale Rolle ein. Hinter Loris Benito wird Zesiger der Vizecaptain der Berner.

Der Captain ist glücklich, dass die letzte Saison abgeschlossen ist, nun könne man nach vorn schauen: "Ich finde, die Mannschaft ist gut von den Ferien zurückgekommen. Alle hatten Lust, wieder zu starten." Trotz neuer namhafter Konkurrenz in der Mannschaft mit Zesiger oder auch Isaac Schmidt sieht Benito seine Rolle als unverändert: "Meine Rolle hat sich nicht gross verändert. Ich schaue, dass die Mannschaft zusammenhält und der Kitt da ist." Auf dem Feld gebe es natürlich Konkurrenz, die ihn ersetzen könnte, aber das sei Teil einer weitsichtigen Planung des Vereins. Benito werde den Konkurrenzkampf annehmen und Gerardo Seaone die Entscheidung erschweren, wen er jeweils aufstellen soll.

Die Zielvorgabe bei YB ist klar. Man möchte wieder im Rennen um den Meistertitel mitmischen und in der Bundesstadt wieder Titel feiern. Trotzdem tritt Zesiger sanft auf die Euphoriebremse: "Am Ende müssen wir uns bewusst sein, dass es ein langer Weg ist. Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen funktioniert." Der 28-Jährige ist sich bewusst, dass er das Gesicht der Young Boys sein werde. Trotzdem müsse nicht nur er die erforderliche Leistung bringen, ansonsten funktioniere das als Mannschaft nicht. Man müsse sich ganzheitlich verbessern: "Ich kann die Spiele nicht alleine gewinnen."

Viel deutlichere Worte findet Stürmer Samuel Essende: "Wenn du zu einem Team wie YB wechselst, hast du die Erwartung, alles zu gewinnen." Für den Mittelstürmer, der in der Garderobe eine Leaderrolle übernimmt, gibt es an der Medienkonferenz viel Lob von Gerardo Seoane. Speziell der Hattrick im Spiel gegen Meister Thun zum Ende der letzten Saison war wichtig für den 28-Jährigen. Essende hofft auf den Ketchup-Effekt, sein Trainer hat derweil volles Vertrauen: "Der Schluss der letzten Saison hat ihm sehr gut getan. Er hat aufgezeigt, dass die wichtigste Qualität als Mittelstürmer mit dem Toreschiessen da ist. Aber natürlich hat man bei ihm die Dynamik, Wucht und Präsenz in allen Spielphasen gesehen."

Für Essende sei die reine Torzahl aber nicht das Wichtigste, er will mit YB gewinnen. Er wolle dem Team dabei einfach bestmöglich helfen, ob mit Toren, Assists oder, wenn es notwendig ist, mit seinem Defensivverhalten.

Mehr Druck auf den nationalen Wettbewerben, weil die Young Boys nicht international spielen, verspürt Benito trotz grosser Ambitionen nicht: "Ich denke nicht, dass es jemand als zusätzlichen Druck empfindet. Es sollte der Fall sein, dass wir am Wochenende mit frischen Beinen in die Spiele starten können. Den Druck hat man ohnehin schon, wenn man aus zwei Saisons kommt, in denen diese Ziele nicht erreicht wurden. Dann starten wir schon mit einem Druck, was man sich bei YB allerdings gewöhnt sein sollte. Wir können die Saison mit einem frischen Elan angehen, dass wir diesen Zielen schnell näher kommen möchten und einen Kader haben, in dem alle fit sind."

Ein Entscheid für Bern und nicht gegen Augsburg

Cédric Zesiger war in der Bundesliga bei Augsburg ein gefragter Mann. Trotzdem hat er sich zur Rückkehr entschieden. Der Entschluss zur Rückkehr sei kein Schnellschuss gewesen: "Es war eine bewusste Entscheidung von mir. Das Timing hat für mich gepasst. Nach der Saison habe ich mir viele Gedanken gemacht und abgewägt, wohin meine Reise gehen soll. YB wollte in der Innenverteidigung etwas machen und so hat es am Ende nun gepasst." Auch in Augsburg habe sich Zesiger sehr wohlgefühlt, so betont der neue Abwehrchef der Berner, dass es keine Entscheidung gegen das Engagement bei Augsburg gewesen sei.

Auch dass Zesiger bereits Vater ist, hat natürlich einen Anteil an der Entscheidungsfindung gehabt. Er habe eine sehr enge Beziehung zur Familie und die geographische Nähe sei sicherlich auch ein kleiner Faktor in den Wechselüberlegungen gewesen, auch wenn dies am Ende laut Zesiger nicht der Hauptgrund war.

WM-Absage war eine grosse Enttäuschung

Beim YB-Medientag wurde der Verteidiger auch auf die Nationalmannschaft angesprochen. Cédric Zesiger erhielt trotz vieler Spielpraxis in der Bundesliga kein Aufgebot für die Weltmeisterschaft. Das wurde ihm in einem Telefonat vor der Endrunde mitgeteilt: "Es war eine riesige Enttäuschung. Ich habe alles dafür gemacht, was in meiner Macht steht." Das Thema Nationalmannschaft hat Zesiger aber auch für die Zukunft noch nicht komplett abgehakt, auch wenn der Transfer nach Bern als Rückschritt betrachtet werden könnte. Bei den Young Boys werde er eine ganz zentrale Rolle einnehmen, damit könnte er auch für die Nationalmannschaft wertvolle Attribute einbringen.

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2026-07-26 11:10:56