Die deutsche Bundesliga ist für Super-League-Abgänger eine äusserst attraktive Destination. Dies betrifft nicht nur Spieler: Gleich drei Coaches mit Schweizer Erfahrung geben zurzeit ihr Bestes, um ihre Teams in Deutschland zum Erfolg zu führen.
Den Dienstältesten im Trio bildet Gerardo Seoane. Der gebürtige Luzerner ist schon seit längerer Zeit in der Bundesliga tätig, coachte zunächst die Werkself aus Leverkusen und ist nun bei Borussia Mönchengladbach im Amt. Die Schweiz verliess Seoane 2021, zuvor hatte er mit den Berner Young Boys in drei Jahren drei Meistertitel sowie einen Cupsieg gewinnen können - eine wahrlich starke Leistung.

Nun jedoch, wo sich YB doch aktuell in einer sportlichen Krise befindet, läuft es auch Seoane nicht gerade hervorragend. "Die Fohlen" belegen in der deutschen Bundesliga gerade einmal den 14. Tabellenrang, haben aus sechs Spielen nur sechs Punkte mitnehmen können. Auch für den - sagen wir bescheidenen - Schnitt von 1.16 Punkten pro Spiel, den Seoane in Gladbach vorweisen kann, performt das Team zurzeit also unterdurchschnittlich.
Dies obschon vor einigen Jahren durchaus mit Borussia Mönchengladbach gerechnet werden durfte. In den 2010er Jahren fand sich die "Fohlenelf" konstant in der oberen Tabellenhälfte wieder, verschaffte sich sogar Auftritte auf der europäischen Bühne. Mit dabei war in dieser Zeit zwar noch kein Gerardo Seoane, dafür mit Granit Xhaka, Denis Zakaria und Nico Elvedi gleich drei Stars der Schweizer Nationalmannschaft.
Solch "glorreiche Zeiten" wünscht man sich in Gladbach zurück, Gerardo Seoane soll es hinkriegen, irgendwie die Kurve zu kratzen. Dafür muss sich der Luzerner jedoch mächtig ins Zeug legen, mit einem zweiten 14 Tabellenplatz in Folge wird sich der 45-Jährige seiner Anstellung wohl nicht mehr ganz so sicher sein können.
Vorstellungen darüber, wer Seoane beerben könnte, wurden in den Reihen der Gladbach-Fans bereits konkret:
Bo Henriksen ist in Mainz - so wie er es eigentlich überall war - beliebt. Im Februar dieses Jahres kam der Däne in die Bundesliga, zuvor coachte er knapp eineinhalb Jahre in Diensten des FC Zürich. Als jedoch die Lockrufe aus einer Top-5-Liga lauter wurden, liess Henriksen nicht lange auf sich warten, wagte den Karrieresprung nach Mainz.
Die Bundesliga war vielversprechend genug, auch wenn sich der 49-Jährige in Mainz einem potenziellen Abstiegskandidaten anschloss. Henriksen jedoch konnte überzeugen. Mit seinem spielfreudigen Fussball und besonders auch der positiven Mentalität, die "Happy Bo" in jede Garderobe mitbringen kann, hat sich der 1. FC Mainz in der Bundesliga wieder nach oben gearbeitet. Von den Abstiegsplätzen konnte man sich im Verlaufe der vergangenen Rückrunde distanzieren, die Saison beendete man schliesslich auf dem 13. Tabellenplatz - damit sogar noch vor Seoanes Borussia Mönchengladbach (14.).
In der laufenden Spielzeit weist das Team von Bo Henriksen alle Anzeichen einer klassischen Tabellenmittelfeld-Mannschaft auf. Aus sechs Spielen konnte man zwei Siege und zwei Unentschieden einfahren, findet sich mit acht Punkten auf dem 10. Tabellenplatz ein. Alles in allem hat der ehemalige FCZ-Trainer den 1. FC Mainz nun durch 20 Spiele gecoacht. Sein Punkteschnitt von 1.70 übertrifft nicht nur seine eigene Marke aus Zürich (1.60), sondern macht ihn auch zum besten der drei Coaches auf dieser Liste.

Peter Zeidler war bis zum vergangenen Sommer der dienstälteste aktive Trainer in der Super League. Aus St.Gallen war der Deutsche beinahe nicht mehr wegzudenken, verliess die Espen erst nach sechs Jahren an deren Seitenlinie. Es winkte die Bundesliga, beim VfB Bochum sollte Peter Zeidler den Ligaerhalt sicherstellen - ein Unterfangen, das in der Vorsaison erst in extremis gelang.
Die Aufgabe stellt sich derweilen als besonders schwierig heraus. Der Bundesliga-Auftakt ist Peter Zeidlers Team mächtig misslungen: Aus den ersten sechs Ligaspielen konnte man noch keinen Sieg einfahren, steht mit nur einem Punkt am bitteren Tabellenende. Es ist ein Schnitt, mit dem sich Peter Zeidler alles andere als rühmen kann - seit seiner Rückkehr nach Deutschland hat der VfB Bochum 0.14 Punkte pro Spiel eingefahren, es ist die schlechteste Bilanz aller aktiven Bundesligatrainer.
Es stellt sich die Frage, wie sehr Peter Zeidler, nach nur drei Monaten im Amt, um seinen Job fürchten muss. Geht es nach Sportchef Marc Lettau, so sitzt Zeidler noch immer fest im Sattel: "Wir werden heute sicher keine Trainerdiskussion führen, auch nicht morgen oder übermorgen", zitierte die Bild den 39-Jährigen nach der jüngsten Bundesliga-Niederlage. Dennoch fordern bereits so manche Fans einen Rauswurf Zeidlers, Lettau könne sich ihm auch gleich anschliessen, lautet der Kanon.

1. FSV Mainz 05 Bo Henriksen Borussia Mönchengladbach BSC Young Boys Bundesliga FC St.Gallen 1879 FC Zürich Fussball Gerardo Seoane Peter Zeidler sport.ch VfL Bochum